In Berlin werden nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von 2013 bis 2025 rund 122 000 neue Wohnungen benötigt, weil die Zahl der Einwohner weiter wächst – doch nun formiert sich Widerstand gegen die umfangreichen Baupläne. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Berliner Mieterverein (BMV) und der Verband der Gartenfreunde warnten am Donnerstag vor einer Bebauung wichtiger Grünflächen und forderten zugleich den Bau preisgünstiger Wohnungen. Der Stadtentwicklungsplan (Step) Wohnen, der zurzeit von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) erarbeitet wird, müsse entsprechend geändert werden.

„Verantwortungsvolle Stadtentwicklungspolitik in Berlin muss mehr sein als große und wertvolle Freiflächen zuzubauen“, sagte An-dreas Faensen-Thiebes vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Flächen müssten intelligent und effektiv genutzt werden. Dazu gehöre eine behutsame Nachverdichtung und eine effizientere Gebäudenutzung in bereits bebauten Gebieten.

„Statt gegen einen breiten Widerstand das grüne Juwel der Freiflächen des Tempelhofer Flugfeldes zu bebauen, müssen Senat und Bezirke ihre knappen Personalressourcen auf die Entwicklung weniger sensibler Gebiete konzentrieren“, forderte er. Dies seien zum Beispiel Flächen an der Heidestraße in Mitte, in der Wasserstadt Spandau, an der Rummelsburger Bucht sowie am Flughafen Tegel.

Bestehende Gebäude könnten besser genutzt werden, indem Dachgeschosse ausgebaut und niedrige Gebäude aufgestockt werden. Der Bau von flächenverbrauchenden Häusern wie beispielsweise einstöckigen Discountern sollte nicht mehr genehmigt werden, so Faensen-Thiebes. Der Berliner Mieterverein (BMV) bemängelt, dass der bisherige Entwurf für den Step Wohnen auf den Neubau für Bezieher hoher Einkommen setze. „Zentrales Problem ist der Mangel an preisgünstigem Wohnraum“, sagte BMV-Geschäftsführer Reiner Wild. Ohne eine massive öffentliche Förderung des Neubaus seien den Wohnungsunternehmen hier enge Grenzen gesetzt. Grund: Der Bau neuer Wohnungen ist so teuer, dass die Mieten in der Regel nicht unter 9 bis 10 Euro je Quadratmeter liegen.

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Lebensqualität durch Kleingärten

Während sich der BUND gegen die Randbebauung des Tempelhofer Feldes ausspricht, will der Landesverband der Gartenfreunde die Laubenpieper schützen. „Kleingartenanlagen dürfen dem Bauboom nicht geopfert werden, sie tragen zu einem großen Teil zur hohen Lebensqualität in Berlin bei“, sagte Günter Landgraf, Vorstand des Landesverbandes der Gartenfreunde. Komplett einig sind sich die drei Verbände jedoch nicht in der Ablehnung der Senatspläne. BMV-Geschäftsführer Wild sagte, er könne sich eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes vorstellen. Ob dort 4 700 Wohnungen entstehen können, wie Stadtentwicklungssenator Müller plant, bezweifele er jedoch.

Müller sagte, es gebe bislang nur einen Vorentwurf für den Stadtentwicklungsplan Wohnen. „Ich nehme jeden konstruktiven Vorschlag gerne auf.“ Es gehe aber nicht zu sagen, an innerstädtische Flächen gehe man nicht ran. Wichtig sei die Diskussion darüber. Die CDU äußerte sich zurückhaltend zur Bebauung des Tempelhofer Feldes.

Fraktionsvize Stefan Evers sagte, die Union habe eine Arbeitsgruppe eingesetzt, der Befürworter und Gegner einer Bebauung angehören. Die CDU nehme den Erfolg der Bürgerinitiative ernst, die die erste Hürde für ein Volksbegehren gegen die Bebauung erfolgreich genommen habe. Die Unionsfraktion hält eine Randbebauung jedoch für sinnvoll.