Durch Zufall haben sie von den Bauplänen ihres Vermieters, der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), erfahren. Auf dem Innenhof zwischen vier Zehngeschossern, auf einer gepflegten Grünfläche mit Kinderspielplatz, will die WBM drei Punkthochhäuser mit insgesamt 120 Wohnungen setzen.

Weitere vier Hochhäuser sollen ganz in der Nähe entstehen, zwei Parkplätze und ein Kastanienwäldchen sollen dafür verschwinden. Das geht aus der Potenzialanalyse für Neubauten der WBM hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt. Im Karree zwischen Karl-Marx-Allee, Lebuser und Palisadenstraße, von den Bewohnern auch K-M-A-Karree genannt, herrscht Entrüstung.

Befürchtet wird ein schwerer, nachteiliger Eingriff in das Leben aller Mieter, wie Reinhard Brodale sagt: „Wer hier drei Zehngeschosser hinsetzt, nimmt in Kauf, dass die neuen Wohnungen bis zur sechsten Etage duster sind.“

Verschattung ist dafür der Fachbegriff. Wie wenig diese berücksichtigt wurde, wurmt den 77-jährigen früheren Stadtplaner. Ihm und den rund 20 weiteren Mitgliedern der Initiative geht es vor allem um „ihre“ 6400 Quadratmeter große Grünfläche. Die gehört der WBM, wird aber öffentlich genutzt. „Drei Viertel der gut tausend Menschen, die hier wohnen, sind Familien mit Kindern“, sagt Anwohnerin Gabriele Lindner. Wo sollen diese und die neuen Kinder aus den Hochhäusern künftig spielen, fragen sich alle.

WBM steht unter Druck

Auch an Einrichtungen wie neue Kitas und Schulen sei nicht gedacht worden. „Und auch die Umweltbelastung wird vernachlässigt“, sagt Brodale. Bereits jetzt zähle die Karl-Marx-Allee gemessen am Ausstoß von Luftschadstoffen zu den am stärksten belasteten Straßen Berlins. 48 Überschreitungen der Grenzwerte wurden 2014 registriert, 35 sind zulässig. Diese prekäre Situation spiele in den WBM-Plänen keine Rolle, weil die Neubauten ohne entsprechende Gutachten (und ohne breite Bürgerbeteiligung) gebaut werden sollen, kritisieren die Anwohner. Bebauungspläne, in denen diverse Gutachten vorgeschrieben sind, seien bislang nicht vorgesehen.

Die WBM steht unter Druck. Sie soll bis Ende 2016 mit dem Bau von rund 1000 neuen Wohnungen beginnen. Komplett unbebaute Grundstücke stehen der Gesellschaft nicht zur Verfügung. Deswegen sollen bestehende Wohngebiete verdichtet werden. In Friedrichshain soll an insgesamt gut 30 Orten gebaut werden, Sieben- bis Zwölfgeschosser sollen auf WBM-eigenen Grundstücken wie Grünflächen, Spiel- und Parkplätzen entstehen. Aber auch bezirkseigene Grün- und Spielflächen wurden in die Planung aufgenommen.

6,50 Euro kalt pro Quadratmeter

Einen Konflikt mit den Mietern möchte man vermeiden, heißt es bei der WBM. Bei der Bebauung von Hofflächen, so Sprecherin Steffi Pianka, wolle man sensibel vorgehen. „Hier muss eine detaillierte Einzelanalyse erfolgen.“ Insbesondere am Standort des Karl-Marx-Allee-Karrees sei noch nicht entschieden, wo, wann und wie geplant und gebaut werde. Ähnliches ist aus dem Bezirksamt zu hören, das die Neubauten genehmigen muss. Öffentliche Grünanlagen und funktionierende Spielplätze werde man nicht hergeben, heißt es dort.

Ein Drittel der geplanten Wohnungen soll laut WBM für Mieten von 6,50 Euro je Quadratmeter (kalt) angeboten werden. Die Mieten der übrigen Wohnungen sollen sich „am Markt“ orientieren.