Investoren in Treptow-Köpenick klotzen gern. Wer dort Wohnungsbau plant, hat meist Großes vor. Platz dafür ist reichlich vorhanden: Im Südosten gibt es noch viele Industriebrachen, etliche davon direkt am Wasser, die so zu Filetgrundstücken werden. Wie zum Beispiel an der Regattastraße in Grünau.

Auf einem 100.000 Quadratmeter großen Areal an der Dahme, auf dem gut hundert Jahre lang Chemiebetriebe standen, zuletzt bis 1995 das Unternehmen Berlin-Chemie, soll ein komplett neues Viertel mit 650 Wohnungen entstehen. Die ersten davon will die österreichische Buwog-Gruppe bis 2017 fertigstellen.

Sie sollen um ein künstlich angelegtes Wasserbecken gruppiert werden, das von der Dahme aus angelegt wird. „Wohnungen mit Wasserblick lassen sich einfach besser verkaufen“, begründet Buwog-Geschäftsführer Alexander Happ die zusätzliche Investition. Die Eigentumswohnungen in den Stadtvillen und Reihenhäusern sollen zwischen 2200 und 4000 Euro pro Quadratmeter kosten.

Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften

Noch ist unklar, ob es bei dem Projekt, das den Namen 52˚ Nord trägt, auch Mietwohnungen geben wird. Man sei darüber in Gesprächen mit Wohnungsbaugesellschaften, die Mietwohnungen bauen könnten, heißt es. Geplant sind auch ein öffentlicher Uferweg, eine Kita mit 70 Plätzen und drei öffentliche Kinderspielplätze.

Am gegenüber liegenden Dahmeufer ist ebenfalls Großes geplant. Im Marienhain, dem 16 Hektar großen, ehemaligen Sommersitz des Berliner Meiereibesitzers Carl Bolle an der Wendenschloßstraße, plant ein kanadischer Investor 1100 neue Wohnungen. Auch dort soll eine Kita (100 Plätze) mit gebaut werden. Auch dort denkt der Investor darüber nach, Wohnungsbaugesellschaften zu beteiligen, um so einen Anteil an preiswerten Mietwohnungen anbieten zu können.

Geklotzt wird auch am Köpenicker Spreeufer an der Lindenstraße: Wo einst eine Kaffee-Fabrik, ein Umspannwerk und weitere Industriebetriebe standen, errichten Investoren Hunderte Wohnungen. Gegenüber, auf dem früheren Gelände des DDR-Reinigungskombinats Rewatex, sollen 800 Wohnungen entstehen. Bislang, so hat man im Bezirk errechnet, ist der Anteil von preiswerten Mietwohnungen bei den Neubauten gering – nur 22 Prozent aller Wohnungen, die bis 2016 fertig sein sollen, werden preisgünstig angeboten.

So groß wie Augsburg

Im Bezirksamt hat man 95 potenzielle Flächen für den Wohnungsbau gezählt. Werden sie alle genutzt, ist bis 2030 Platz für bis zu 60.000 neue Einwohner. Treptow-Köpenick, das aktuell rund 244.000 Einwohner hat, wäre dann so groß wie Augsburg oder Mannheim. Noch ist diese Entwicklung nur ein Zahlenspiel, aber im Rathaus bereitet man sich vor: „Der Zuwachs würde unseren Bezirk gewaltig verändern“, sagt Bürgermeister Oliver Igel (SPD). Mehr Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten müssten geschaffen und Straßen auf den Zuwachs eingestellt werden. Auch beim Personal in den Ämtern müsse endlich umgesteuert werden, sagte Igel: „Mehr Bewohner brauchen mehr Service, den wir ihnen anbieten möchten.“