Berlin - Der Bezirk Mitte hat am Dienstagabend unter hohen Sicherheitsvorkehrungen den Anwohnern die Pläne präsentiert, wie der Rand des Mauerparks einmal bebaut werden soll. Das sagt viel darüber aus, wie umstritten das neue Wohnviertel nördlich des Gleimtunnels in Wedding ist, das die Groth-Gruppe errichten will. 708 Wohnungen sind auf dem 3,5 Hektar großen Areal geplant. Anwohner und Bürgerinitiativen lehnen das Bauvorhaben ab.

Die Initiativen kündigten vor dem Informationsabend Proteste an, es blieb dann aber – anders als auf anderen Veranstaltungen – ruhig. Auf Plakaten forderten Anwohner „Grün statt Groth“ und „Keine Luxusviertel am Mauerpark“. „Wir sind zuversichtlich, dass dieses politisch-handwerklich schlecht gemachte Bauprojekt durch die Bürger zu Fall gebracht werden wird“, sagt Heiner Funken von der Mauerpark Stiftung Welt-Bürger-Park. Die Mauerpark-Allianz – ein Zusammenschluss von vielen Bürgerinitiativen – hat bereits ein Bürgerbegehren gegen das Bauprojekt angekündigt, sobald der Bezirk den Bebauungsplan öffentlich auslegt.

Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) hatte schon im Vorfeld mit „heftigem Gegenwind“ gerechnet und die Polizei über die Veranstaltung informiert. Zu den befürchteten Störungen kam es aber nicht. Der Baustadtrat kündigte an, dass der Bebauungsplan für das Wohnviertel bereits im Februar öffentlich ausgelegt wird und die Bürger dann ihre Einwände formulieren können.

Projektentwickler Thomas Groth hatte vergangene Woche seine Pläne für das Wohnviertel öffentlich gemacht. Unter anderem werden 120 geförderte Wohnungen für das städtische Wohnungsunternehmen Gewobag errichtet. Die Kaltmiete wird dort 6,50 Euro pro Quadratmeter betragen. Die frei finanzierten Wohnungen sollen ab 8,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Zudem entstehen Studentenapartments und Eigentumswohnungen.

Mauerpark soll größer werden

Die Bürgerinitiativen kritisieren, dass das gesamte Areal bisher in der Berliner Planung als Grünfläche vorgesehen ist. Zudem sei die Bebauung zu massiv. „Es gibt kein Baurecht, es werden bunte Klötze präsentiert. Es wird der Anschein erweckt, als wenn alles schon geregelt ist“, sagt Alexander Puell von den Freunden des Mauerparks. Dabei gebe es schwerwiegende Planungsfehler wie die fehlende Erschließung des Wohnquartiers. Diese Behauptung weist Baustadtrat Spallek als unzutreffend zurück. Das Gebiet werde mit einer Rampe erschlossen und in der Gleimstraße ein Kreisverkehr angelegt, sagt er.

Andere Anwohner bezeichnen das Konzept von Groth als Mogelpackung, die den Bürgern jetzt verkauft werden soll. Sie befürchten Mietsteigerungen im Brunnenviertel und sprechen von Erpressung durch den Investor. Denn Groth sagt, dass ein Bürgerbegehren eine Verzögerung von sechs Monaten bedeute: „Jedem muss klar sein: Wer gegen die Bebauung stimmt, stimmt auch gegen die Erweiterung des Mauerparks.“

Mit dem Land Berlin ist vertraglich vereinbart, dass Groth fünf Hektar seiner Fläche für die Erweiterung des Mauerparks auf Weddinger Gebiet zur Verfügung stellt, der Mauerpark wäre dann insgesamt 14 Hektar groß. Im Gegenzug soll Groth Baurecht für das Viertel erhalten. Sollte das Bürgerbegehren allerdings erfolgreich sein, will Groth vom Vertrag mit dem Land zurücktreten und seine Flächen wieder gewerblich nutzen.