So eine Wohnungsbesichtigung ist schnell erledigt: Bett, Bad, Küche. Fertig. Alles folgt dicht hintereinander, viel Platz gibt ist nicht. Und so wundern sich Besucher, wie man einen schnöden stählernen Frachtcontainer zu einer schicken kleinen Wohnung umbauen kann.

Das Bett steht direkt am Fenster, welches von der Decke bis zum Boden reicht, es folgt ein Schreibtisch, dann das Bad mit Toilette, Waschbecken und Duschkabine. Und gleich daneben kommt die Küche mit Kochfeld, Kühlschrank und schmalem Esstisch.

26 Quadratmeter groß ist so eine Frachtcontainer-Wohnung. Durch ihren extremen Zuschnitt – 12 Meter lang, 2,45 Meter breit – bietet sie nicht genügend Platz für eine riesige Sofaecke und eine noble Einbauküche. Aber für die künftigen Bewohner des Studentendorfs „Frankie & Johnny“ im Treptower Ortsteil Plänterwald wird Luxus und Geräumigkeit wohl nicht das wichtigste Anliegen sein. Sie wollen vor allem eins: eine bezahlbare Wohnung. 349 Euro Monatsmiete kostet eine Wohnung ohne Möbel, 389 Euro möbliert, im Preis enthalten sind Heizung, Internet und Warmwasser.

Mieter ziehen Ende September ein

„Preiswertes und cooles Wohnen“, so nennt Jörg Duske sein Projekt. Im Treptower Ortsteil Plänterwald errichtet der 51-jährige Unternehmer eine ungewöhnliche Wohnanlage, wie es sie in Berlin bisher nicht gibt. 400 Frachtcontainer, die aus China stammen, lässt Duske auf einem Grundstück an der Eichbuschallee 51 zu Wohnapartments umbauen. Handwerker und Bauarbeiter sind derzeit damit beschäftigt, die ersten 20 Prototypen einzurichten. Zuerst wird die Farbe entfernt, der Rost soll sichtbar bleiben, als zeitlose Farbe, wie Duske es nennt. Anschließend werden Fenster eingebaut, Wände gezogen, Sanitäranlagen und Küchenzeilen installiert, Wasser- und Stromleitungen gelegt. Dann werden jeweils vier Container aufeinandergestapelt. Ende September ziehen die ersten 20 Mieter ein. Das komplette Dorf soll im Sommer 2014 bezugsfertig sein.

„Studenten und Container, das gehört zusammen, das ist eine Symbiose“, sagt Duske. Bisher haben sich 160 Studenten um eine Wohnung beworben. Im Angebot sind neben den Single-Wohnungen auch größere: Für Freunde und Paare werden zwei Container zusammengelegt und eingerichtet, möglich sind auch Dreifach-Container für Wohngemeinschaften und Studentenfamilien.

In Amsterdam hat Jörg Duske vor ein paar Jahren so ein Studentendorf besichtigt, in dem rund 1000 junge Leute in umgebauten Frachtcontainern wohnen. Die Idee fand Duske gut, doch die schlichte Bauweise missfiel ihm: Die Architektur dort erschien ihm zu zweckorientiert, zu simpel, da war zu wenig Lebensgefühl, sagt er.

Duske suchte eine bessere Lösung. Er lobte einen Architekturwettbewerb aus, der preisgekrönte Entwurf des Züricher Architektenbüros Holzer Kobler sieht nun vor, dass die Container in zwei langen gegenüberliegenden Reihen aufgestellt werden. Zum Dorf gehört ein Garten mit Gemüsebeeten, ein Schwimmteich und Bänke. Breite Laubengänge und breite Treppen verbinden die Wohnungen, manche bekommen einen Balkon, Ranken sollen an Wänden und Geländern wachsen.

Auch außerhalb der kleinen Apartments will Bauherr Duske gemütliche Orte schaffen, an denen sich die Bewohner treffen, arbeiten und reden können. Eine Boule-Bahn gehört dazu, ein Waschsalon und eine Partyküche, ebenso ein Café mit einem Gemeinschaftsgrill. Jörg Duske schafft den Platz für das gemeinsame Zusammenleben, so wie es auch die Architekten des Studentendorfs Schlachtensee vor 50 Jahren planten: kleine Zimmer und drumherum viel Platz für die Gemeinschaft. „Frankie & Johnny“ hat Duske sein Dorf genannt, weil seine Bewohner aus allen Teilen der Welt kommen, ebenso wie die Container, die auf Frachtern um die Welt geschifft worden sind.

13 Millionen Euro investiert Duske ins Projekt, schon sucht er neue Grundstücke. Neulich waren Nachbarn zu Besuch, erzählt er, alte Leute. Sie seien begeistert gewesen, von den Containern, ihrer überschaubaren Größe, und dem Leben zwischen den Laubengängen.