Die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt verschärft sich weiter. Während der Einwohnerzuwachs in den vergangenen Jahren noch durch eine Reserve an leerstehenden Wohnungen aufgefangen werden konnte, ist der Überhang an Wohnungen mittlerweile weitgehend aufgebraucht. „Steigende Mieten und Preise für Wohnimmobilien sind die Folge“, stellte der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin (IBB), Ulrich Kissing, am Freitag bei der Vorstellung des IBB-Wohnungsmarktberichts 2013 fest.

Die Mieten für Wohnungen, die auf dem Immobilienmarkt angeboten wurden, stiegen zwischen Oktober 2012 und September 2013 um zehn Prozent, die Angebotspreise für Eigentumswohnungen verteuerten sich um 14 Prozent. Laut dem IBB-Bericht wurden Wohnungen im dritten Quartal 2013 im Schnitt für eine Kaltmiete von 8,36 Euro je Quadratmeter angeboten, Eigentumswohnungen sollten rund 2 500 Euro je Quadratmeter kosten.

Für die Untersuchung wurden 69.000 Angebote für Eigentumswohnungen und rund 96.000 Mietangebote ausgewertet. Das sind etwa 2000 Mietangebote weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, was laut dem Bericht die Verknappung des Angebots zeigt. Mittlerweile werden viele Wohnungen auch gar nicht mehr im Internet angeboten, sondern direkt an Interessenten weitervermietet.

Exorbitant teure Kleinstwohnungen

Besonders teuer sind sogenannte Kleinstwohnungen mit einer Fläche von weniger als 40 Quadratmeter. Sie wurden vom vierten Quartal 2012 bis zum dritten Quartal 2013 je nach Baualter zu Durchschnittsmieten zwischen 7,90 und 9,72 Euro je Quadratmeter angeboten. Kleine Wohnungen mit einer Fläche von 40 bis unter 60 Quadratmetern sollten etwas weniger kosten, doch lagen die Angebote noch über den Preisen für Wohnungen mittlerer Größe.

Dass die kleinen Wohnungen teuer sind, liegt an der großen Nachfrage. In der Hauptstadt der Singles suchen viele eine kleine Wohnung – oftmals, um die steigenden Kosten finanzieren zu können. Wohnungen mit einer Größe von 60 bis unter 90 Quadratmeter sind in fast allen Baualtersklassen pro Quadratmeter günstiger als kleinere Wohnungen.

Die höchsten Angebotsmieten verlangten die Vermieter für Altbauwohnungen, die bis 1918 errichtet wurden, und für Wohnungen, die nach 1991 fertiggestellt wurden. Die Altbauten sind begehrt, weil sie meist Stuckdecken und Parkettfußboden zu bieten haben. Die Neubauten punkten mit modernen Grundrissen, zum Beispiel mit offenen Wohnküchen und großzügigen Bädern. Die höchste durchschnittliche Forderung für Neubauwohnungen beläuft sich auf 11,66 Euro je Quadratmeter. Dafür wurden große Wohnungen, die ab dem Baujahr 2002 entstanden sind, offeriert.

Wohnungsgeldempfänger sind besonders betroffen

Haushalte mit geringen Einkommen sind laut IBB-Bericht von den steigenden Wohnkosten besonders betroffen. Insbesondere die rund 30.000 Wohngeldempfänger müssen heute einen größeren Anteil des Einkommens für das Wohnen aufbringen. Grund: Das Wohngeld, für dessen Höhe der Bund zuständig ist, wurde seit 2009 nicht an die gestiegenen Kosten angepasst. Selbst mit der staatlichen Hilfe mussten Wohngeldbezieher Ende 2012 rund 44 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Miete aufbringen. 2009 waren es noch zirka 42 Prozent. Dabei sind die Ausgaben für Heizung und Warmwasser noch gar nicht eingerechnet.

Etwas besser ist die Lage bei den rund 165.000 Studenten in Berlin. Sie mussten im Jahr 2012 im Schnitt 35 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen bezahlen. Der Anteil erhöhte sich von 34 Prozent im Jahr 2003 damit nur um durchschnittlich ein Prozent. Bei den sogenannten Bedarfsgemeinschaften, also den Haushalten, die Hartz-IV empfangen, werden die Kosten der Unterkunft laut dem IBB-Bericht nur zu 97 Prozent übernommen. Viele Haushalte müssen den Differenzbetrag aus eigener Tasche finanzieren.

Besonders schwierig ist die Situation für die rund 11.000 Obdachlosen (Stand: Ende 2012) und Personen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Um sie mit Wohnraum zu versorgen, haben die landeseigenen Wohnungsunternehmen und einige private Vermieter zugesagt, jährlich ein Kontingent von knapp 1400 Wohnungen im sogenannten geschützten Marktsegment bereitzustellen.

Die Ziele wurden jedoch nicht erreicht. Von 2011 bis 2013 wurden zwar mehr Wohnungen als geplant für Mehrpersonen-Haushalte bereitgestellt. Die Zahl der Wohnungen für Alleinstehende blieb jedoch weit hinter den Zusagen zurück. So wurden die bescheidenen Plan-Zahlen im besten Fall, im Jahr 2013, zu 82 Prozent erfüllt.