Wer sich in großen deutschen Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt, München oder Köln auf die Suche nach einer Wohnung macht, kommt sich mitunter vor wie ein Bittsteller. Die Vermieter können sich vor Anfragen von Interessenten kaum retten. Die Preise sprengen das Budget vieler Bewerber. Auch die Mietpreisbremse, auf der große Hoffnungen ruhten, hat die Situation nicht grundlegend geändert. Das zumindest legen aktuelle Untersuchungen nahe.

Die meisten großen Städte im Land erleben einen beträchtlichen Bevölkerungszuwachs. Das treibt die Preise – und zwar nicht nur bei Mietwohnungen, sondern auch bei Kaufobjekten. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und die Privatbank Berenberg haben sich in einer neuen Studie angeschaut, wie sich die Preise innerhalb von zehn Jahren entwickelt haben und was das für die Haushalte bedeutet. Die Fachleute untersuchten dabei die Immobilienmärkte in den 20 größten Städten. Betrachtungszeitraum waren die Jahre von 2004 bis 2014.

57 Prozent mehr in zehn Jahren

Ein Ergebnis der Untersuchung: In keiner anderen deutschen Großstadt sind in dem Zeitraum die Kaltmieten bei neuen Verträgen so schnell gestiegen wie in der Bundeshauptstadt Berlin. Bei Wohnungen mit mittlerem Wohnwert legten sie um 57 Prozent zu, bei solchen mit gutem Wohnwert sogar um 67 Prozent. In allen anderen Städten fiel der Anstieg deutlich geringer aus. Wohnungen mit mittlerem Wohnwert verteuerten sich beispielsweise in Köln um 22 und in Frankfurt um 17 Prozent. Im Ruhrgebiet sinken die Mietpreise teilweise sogar. Die Städte dort leiden unter einem beträchtlichen Bevölkerungsschwund.

Die Preisspannen sind riesig: Mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 12 Euro pro Quadratmeter (mittlerer Wohnwert) liegt München weiter an der Spitze. Duisburg kommt mit 4,80 Euro auf den letzten Platz. Die durchschnittliche Kaltmiete in den 20 größten Städten liegt bei 7,50 Euro. Das ist ungefähr das, was laut Studie in Berlin fällig wird.

Niedrige Einkommen

In vielen deutschen Metropolen müssen die Bewohner ungefähr ein Fünftel ihres Einkommens für die Miete aufwenden – sofern sie in Wohnungen mit mittlerem Wohnwert leben. Interessant ist aber, was am Ende vom Einkommen übrigbleibt. Und hier sind die Unterschiede enorm, bedingt durch unterschiedliche Durchschnittseinkommen in den jeweiligen Ballungsräumen. Obwohl die Mietpreise pro Quadratmeter in München bundesweit am höchsten sind, kann der durchschnittliche Münchner übers Jahr gerechnet nach Abzug der Netto-Kaltmiete mehr als 20 000 Euro ausgeben. In Frankfurt und Köln sind es jeweils rund 16 000 Euro. Am Ende der Rangliste liegen Berlin und Leipzig, wo jeweils weniger als 14 000 Euro übrigbleiben. In Berlin sind die Mieten zwar niedrig, die verfügbaren Einkommen sind es aber auch.

Auch ein anderer Trend macht sich bemerkbar: Immer mehr Menschen leben allein. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen. Wenn der Staat wieder den sozialen Wohnungsbau forciert, sollte er verstärkt Wohnungen dieses Segments fördern, sagt die Studien-Autorin Dörte Nitt-Drießelmann.