Steigende Mieten machen es Rentnern in deutschen Großstädten wie Berlin nach Einschätzung von Mieterorganisationen zunehmend schwer, ihre Wohnung zu halten. „Das größte Problem älterer Menschen auf dem Wohnungsmarkt ist sicherlich die ständig steigende Mietbelastung“, sagte Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes. Davon seien Ältere mit geringem Einkommen besonders betroffen. Viele wohnten zudem noch in einer relativ großen Wohnung, dann machten sich Erhöhungen pro Quadratmeter besonders bemerkbar.

Senioren suchten im Regelfall nicht mehr nach einer Wohnung, sondern wollten in ihrem Zuhause bleiben. Das sei ein Vorteil im Vergleich zu jungen Menschen, stellte Ropertz fest. Allerdings sei fraglich, ob sie dazu beispielsweise angesichts höherer Mieten nach einer Modernisierung noch in der Lage sind. Oft könnten die Renten mit den Steigerungen in Städten wie Berlin, Hamburg oder Universitätsstädten nicht mithalten.

„Die Anregung erstickt im Keim.“

Dass der Mietenmarkt in Metropolen für alle Altersklassen schwierig ist, weiß auch Eveline Lämmer. Sie ist Vorsitzende des Landesseniorenbeirats in Berlin und kennt durchaus Ältere, die bereit seien, in kleinere Wohnungen zu ziehen, um Familien Platz zu machen. Kleinere Wohnungen seien bei Neuvermietungen aber oft wesentlich teurer als größere Wohnungen zu alten Konditionen. „Die Anregung erstickt im Keim.“

Dabei lebt laut Statistischem Bundesamt heute etwa jeder dritte über 65-jährige Mensch in Deutschland allein. Der Anteil der Ein-Personen-Haushalte wächst mit dem Alter. Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sagte am Mittwoch im Abgeordnetenhaus vor rund 200 eingeladenen, älteren Menschen: Sie rate, sich zum Beispiel wegen drohender Mietsteigerungen nach einer Modernisierung dringend rechtlich beraten zu lassen. „Mieter müssen sich zusammenschließen“, sagte Lompscher. Es gebe etwa bei städtischen Wohnungsbaugesellschaften auch Härtefallregelungen.

Viele zieren sich Wohngeld zu beantragen

Nach Einschätzung des Berliner Mietervereins zieren sich viele Rentner, notfalls Wohngeld zu beantragen. Bei älteren Leuten sei die Scham, staatliche Hilfe anzunehmen, noch größer, erklärte Geschäftsführer Reiner Wild. Dabei geht der Mieterverein ohnehin davon aus, dass über alle Altersgruppen hinweg nur die Hälfte der eigentlich Berechtigten einen Antrag stellt. Manche Ältere seien auch besorgt, nach mehreren Jahrzehnten aus ihrem Kiez verdrängt zu werden.

Es gebe Fälle, wo Rentnern nach vielen Jahren gekündigt wird - etwa weil ein neuer Immobilienbesitzer Eigenbedarf anmelde, sagte Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Das sei nicht der Regelfall, für die Betroffenen aber schwer. Wild vom Mieterverein Berlin warnte, in solchen Fällen herrsche oft ein Irrtum: „Weil viele glauben: Wenn man 80 ist, kann man nicht gekündigt werden.“ Das Mietrecht kenne aber keine Altersgrenze.

Kontakte zu Ärzten, Freunden und Bekannten - all das würde laut Wild gefährdet, wenn Menschen im hohen Alter noch einmal umziehen müssten. „Alles, was mit erzwungenem Umzug zu tun hat, wird im Alter als besonders dramatisch empfunden.“ (dpa)