Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hat angesichts des starken Zuzugs nach Berlin vor einer neuen Wohnungsnot gewarnt. Bisher gebe es nur einen Wohnungsengpass in der Hauptstadt, sagte BBU-Chefin Maren Kern am Donnerstag. Angesichts des Bevölkerungs-Wachstums müsse sie aber vor einer Wohnungsnot warnen, „die sich möglicherweise in wenigen Jahren abzeichnet“.

Die Zahl der Einwohner in Berlin ist in den vergangenen drei Jahren jeweils um mehr als 40.000 Menschen pro Jahr gestiegen. In diesem Jahr wird – bedingt durch den Andrang der Flüchtlinge – ein Anstieg um weitere 90.000 Menschen erwartet. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Einwohner bis 2030 um insgesamt 400.000 Menschen erhöht. BBU-Chefin Kern betonte: „Wir brauchen jetzt noch viel mehr Neubau, um den Markt zu entspannen.“ Die Leerstandsreserve in Berlin ist praktisch aufgebraucht. Nur 1,9 Prozent der Wohnungen stehen leer – zum Teil, weil sie modernisiert werden.

Bis 2030 müssen 300.000 Wohnungen entstehen

Der Neubau hält mit dem Zuzug in die Stadt nicht Schritt. Im vergangenen Jahr wurden gerade 8 744 Wohnungen in Berlin fertiggestellt. Bis zum Jahr 2030 müssten insgesamt etwa 300.000 neue Wohnungen errichtet werden, sagte Maren Kern – mindestens 100.000 davon mit einer Förderung für soziale Zwecke. Um den kurzfristigen Bedarf einigermaßen zu decken, müssten bis 2020 pro Jahr 20.000 neue Wohnungen entstehen – also mehr als doppelt so viele wie zuletzt.

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) bestätigte die Einschätzung des BBU. „Wir stehen vor einer historischen Aufgabe“, sagte er auf Anfrage. „Ich bin aber sicher, dass wir dies meistern werden. 30.000 Wohnungen pro Jahr zu bauen ist keine Hexerei, das haben wir in den 90er-Jahren in Berlin schon einmal geschafft“, sagte der Senator. „Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sind gut aufgestellt und werden entsprechend liefern.“ Daneben stünden aber auch die privaten Bauherren „in der Pflicht, ihren Anteil an dieser großen Aufgabe zu leisten“.

Tegel und Tempelhof

BBU-Chefin Kern regte an, sehr viel mehr Wohnungen auf dem Flughafen Tegel zu errichten, wenn dort der Flugbetrieb eingestellt wird. Nach den Plänen des Stadtentwicklungssenators sollen in Tegel 5 000 Wohnungen errichtet werden. Warum können dort nicht 10.000 Wohnungen entstehen?, fragte Kern. Auch über eine Bebauung des Tempelhofer Feldes müsste nachgedacht werden. Dort könnten je nach Größe 10.000 bis 15.000 Wohnungen entstehen. Zum Vergleich: Die früheren Pläne des Senats sahen für Tempelhof den Bau von 4700 Wohnungen vor. Beim Volksentscheid im vergangenen Jahr lehnte eine Mehrheit der Bürger dies jedoch ab. Seitdem gilt das Tempelhof-Gesetz, nach dem jegliche Bebauung des Areals untersagt ist. „Ohne Bauland keine Wohnungen“, sagte BBU-Chefin Kern dazu.

Um den Bedarf an Wohnraum zu decken seien auch temporäre Bauten notwendig, bekräftigte die BBU-Chefin. Also zum Beispiel Containersiedlungen oder Häuser in modularer Bauweise. „Es muss den Menschen klar vermittelt werden, dass temporäre Lösungen durchaus auch zehn Jahre und mehr Bestand haben können“, sagte Kern. Besser wäre es allerdings, gleich richtig zu bauen.

Um den Neubau zu vereinfachen und die Kosten zu reduzieren sollten zudem Standards abgesenkt werden. Auch sollte höher und dichter gebaut werden. Der Stadtentwicklungssenator äußerte sich nicht zum Tempelhofer Feld, kündigte aber an, „neue Flächen zu aktivieren“.