Berlin - Der Baugrund wird knapp in Berlin. Es gibt zwar langfristig genügend Areale für den benötigten Wohnungsbau, aber sie stehen wahrscheinlich nicht schnell genug zur Verfügung, um die geplanten Bauprojekte zu realisieren. Das geht aus dem Stadtentwicklungsplan Wohnen (Step) hervor, den Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) erarbeitet hat und der in Kürze im Senat beschlossen werden soll. „Die kurzfristig vorhandenen Flächenpotenziale reichen vermutlich nicht aus, um auf dem Wohnungsmarkt preisdämpfend zu wirken“, heißt es in dem Bericht, der der Berliner Zeitung vorliegt.

Die Verfasser des Berichts gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2025 zirka 137.000 neue Wohnungen in Berlin gebaut werden müssen. Der Grund: Die Einwohnerzahl der Stadt erhöht sich nach der aktuellen Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2025 um 239.000 Personen. Zwar gibt es in Berlin laut der Expertise Flächenpotenziale für den Bau von insgesamt 220.000 neuen Wohnungen, aber die stehen erst über den Zeitraum bis 2025 zur Verfügung.

Kurzfristig, das heißt, bis 2016, sind laut dem Bericht nur Bauflächen für zirka 28.000 Wohnungen zu aktivieren. Hinzu kommen Flächen für eine nicht bekannte Größenordnung von Wohnungen durch „Verdichtung“ bestehender Quartiere in den Außenbezirken.

Damit kann rechnerisch der jährliche Bedarf an Bauflächen abgedeckt werden. Da aber in den nächsten Jahren besonders viele neue Wohnungen benötigt werden, kann es dem Step Wohnen zufolge „kurzfristig zu einer Verknappung bei den vorhandenen Wohnbauflächen“ gerade in der Innenstadt kommen.

„Der Aktivierung von Flächen kommt daher eine Schlüsselbedeutung zu“, heißt es im Step Wohnen. Damit ist klar, dass der Druck für die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes weiter wächst. Dort sind fast 5000 Wohnungen vorgesehen.

Ein weiteres Problem bei den Bauflächen besteht darin, dass sie überwiegend im Besitz privater Eigentümer sind. Der Senat hat deswegen nur begrenzt die Möglichkeit, steuernd einzugreifen und preiswerte Wohnungen zu errichten.

40 Kleingartenkolonien müssen möglicherweise weichen

Nachdem das Land Berlin in den vergangenen Jahren viele eigene Grundstücke über den Liegenschaftsfonds meistbietend verkauft hat, regt der Stadtentwicklungsplan Wohnen nun den möglichen Ankauf von Grundstücken für den Wohnungsneubau an. „Im Rahmen eines strategischen Flächenmanagements muss das Land auch die Möglichkeiten des Erwerbs von Flächen mit Entwicklungspotenzial nutzen“, heißt es.

Auf 25 großen Standorten lassen sich dem Bericht zufolge kurz- bis mittelfristig zirka 48.000 Wohnungen errichten. Dazu gehören der Alexanderplatz, die Europacity am Hauptbahnhof und die Wasserstadt Oberhavel in Spandau. Außerhalb der 25 Gebiete gibt es weitere größere Einzelstandorte, auf denen zirka 29.000 Wohnungen gebaut werden können. Durch den Ausbau von Dachgeschossen und die Bebauung kleinerer Grundstücke soll die Zahl der Wohnungen auf 220.000 erhöht werden.

Konfliktträchtig ist der Vorschlag, auf Kleingartenflächen zurückzugreifen: Insgesamt sind rund 40 Kolonien auf der Liste für den Wohnungsbau notiert. Auf ihnen sollen rund 8000 Wohnungen entstehen.

Eigentlich sollte der Step Wohnen bereits im Senat beschlossen werden, doch die CDU blockiert den Plan Sie stört sich an einem Passus, der ein Verbot der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen anregt.