Berlin - Es ist kurz nach acht, als Rafe Offer in die Hände klatscht und noch einmal erklärt, warum sie alle hier sind; warum sich Dutzende Menschen in diesem vielleicht 20 Quadratmeter großen Zimmer drängen, mit angezogenen Beinen auf dem Boden sitzen, sich zu acht auf ein zusammengeklapptes Futonbett quetschen, das bedrohlich ächzt; warum sie sogar noch im Flur stehen, auf Zehenspitzen die Hälse recken. Die meisten kennen den jungen Mann, der in diesem Zimmer wohnt, nicht einmal, aber sie wissen jetzt, nach einem Blick in das Regal in der Ecke, dass er Erich Fried liest, sich mit Nivea eincremt und ein Bücherregal für den richtigen Aufbewahrungsort von Creme und auch einer Wärmflasche hält.

Auf der Fensterbank hinter Rafe Offer trocknet eine Topfpflanze vor sich hin, an der Wand hängt ein Relikt aus den späten 80ern, eine Pinnwand aus Kork. Das alles werden die vielen Menschen gleich vergessen. Denn hier wird nun zwei Stunden lang Musik gespielt, ein Querflötist aus London ist dabei und eine Australierin mit Gitarre und einem Kontrabassisten an der Seite. Offer erklärt das so: „Wir wollen die Musik dahin zurückbringen, wo sie meistens herkommt, nämlich in ein kleines Zimmer.“ Begonnen hat das vor etwa einem Monat. Am heutigen Mittwoch findet wieder ein Wohnzimmerkonzert statt. Zum sechsten Mal hat es Offer, ein Mittvierziger aus Amerika, der seit Jahren in London lebt, in Berlin organisiert.

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