Woidke-Reise nach Polen: Langsamer als die Dampflok

Berlin - Dietmar Woidke hat hoffentlich viel Zeit eingeplant für seinen ersten Besuch als Brandenburger Regierungschef in Polen. Denn die Reise ins Nachbarland dauert, jedenfalls wenn man mit dem Zug unterwegs ist. Allein von Potsdam bis ins 260 Kilometer entfernte Poznan (Posen) brauchen manche Züge fast sechs Stunden, mit viermaligem Umsteigen. Bestenfalls schafft man die Fahrt in dreieinhalb Stunden.

In Posen war der SPD-Politiker am Dienstag zu einem Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen Brandenburg und der Woiwodschaft Wielkopolska eingeladen. Danach wollten er und sein Amtskollege Marschall Marek Wozniak eine deutsch-polnische Konferenz zum öffentlichen Personennahverkehr eröffnen. Das Thema ist gut gewählt.

Denn 23 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist der Bahnverkehr zwischen beiden Ländern, gelinde gesagt, verbesserungsbedürftig. „Die Bahnverbindungen zwischen Deutschland und Polen sind heute noch schlechter als zu Zeiten des Kalten Kriegs“, befindet der Verkehrsexperte der Grünen, der Europa-Abgeordnete Michael Cramer. Fuhren noch 1972 täglich 18 Zugpaare im Fernverkehr zwischen beiden Ländern, sind es heute nur noch sechs.

Einzig die Strecke zwischen Berlin über Posen nach Warschau wurde auf Tempo 160 ausgebaut, womit sie noch zu den schnellsten gehört. Wer indes mit der Bahn von Berlin nach Breslau reisen will, muss fünfeinhalb Stunden einplanen. Da war der Fliegende Schlesier in den 30er-Jahren sogar doppelt so schnell. Zwar wurde auch auf dieser Strecke inzwischen investiert und gebaut – aber offenbar nur halbherzig. Streckenweise wurde nicht elektrifiziert, sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite, sodass mehrfach von E-Lok auf Diesellok und umgekehrt gewechselt werden muss. Ein deutsch-polnischer Schildbürger-Streich, der viel Zeit kostet.

Umständlich ist auch der Bahnweg von Berlin an die deutsch-polnische Ostseeküste auf Usedom, seit die Karnimer Brücke, die Usedom mit dem Festland verband, gesprengt wurde. Das war in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Auch in die baltischen Staaten war die Dampflok einst schneller als die Züge von heute.