Nachdem in Ostpolen ein Wolf am Dienstag zwei Kinder gebissen haben soll, fordert der Deutschen Jagdverband (DJV) nun auch Konsequenzen in Deutschland, wo derzeit etwa 300 von den streng geschützten Wölfe leben sollen. Der Biss-Vorfall sei dem deutschen Verband vom polnischen Pendant bestätigt worden.

„Wir müssen die Untersuchungen abwarten, um eindeutig festzustellen, ob es tatsächlich ein Wolf war“, sagte Helmut Dammann-Tamke vom DJV-Präsidium. „In Deutschland muss es unabhängig davon möglich sein, Einzeltiere oder ganze Rudel unverzüglich zu töten, wenn sie verhaltensauffällig sind.“

An der Grenze zur Slowakei

Der Angriff soll sich im Karpatenvorland im Dorf Przynslup an den Grenzen zur Slowakei und zur Ukraine ereignet haben. Gleich nach dem Angriff wurde der Wolf auf Anordnung der regionalen Umweltbehörde von einem Jäger erlegt.

Der Wolf soll zuerst ein achtjähriges Mädchen verletzt haben, kurze Zeit später wenige hundert Meter entfernt einen zehnjährigen Jungen. Die Verletzungen seien nicht lebensgefährlich gewesen. Polnische Medien berichte, dass vermutlich derselbe Wolf wenige Wochen zuvor bereits eine Frau auf einem Campingplatz gebissen haben soll.

"Keine natürliche Scheu"

Helmut Dammann-Tamke vom Jagdverband sagte: Eine natürliche Scheu vor dem Menschen besitze der Wolf nicht, er müsse lernen, sich vom Menschen und seinen Nutztieren fernzuhalten.

In Deutschland leben derzeit nach offiziellen Angaben insgesamt 60 Wolfsrudel und 13 Paare ohne Junge. Ein Rudel besteht aus den beiden Elterntieren und zwei bis zehn Jungtieren. Die meisten Wölfe leben im Land Brandenburg, dort gibt es 22 Rudel, dann folgt Sachsen mit 14 Rudeln und Niedersachsen mit 10 Rudeln.

Regeln für Problemwolf

In Brandenburg gibt es seit vergangenem Dezember eine Wolfsverordnung, die klar regelt, wann ein sogenannter Problemwolf geschossen werden darf. Das dürfen die Jäger vor Ort oder die Landwirte nicht selbst entscheiden, sondern sie müssen den Abschuss zentral beim Landesumweltamt beantragen. Das Amt erteilt dann eine Ausnahmegenehmigung.

Als Hauptkriterien für die Einstufung als Problemwolf gelten: Eines dieser geschützten Raubtiere muss sich zu oft menschlichen Siedlungen nähern oder zu oft auf Weiden die Nutztiere der Landwirte töten.