Berlin - Sie rufen „We are unstoppable, another world is possible“, demonstrieren für die Abschaffung des Paragrafen 219a und gegen US-Präsident Donald Trump: Am Samstagmorgen sind Tausende Frauen und Männer zum „Women's March“ am Brandenburger Tor gekommen. In den Reden ging es nicht nur um reine Frauenthemen - auch der Klimawandel und vor allem die Unterstützung von anderen Minderheiten waren Thema in den Reden, die auf Englisch auf der Bühne gehalten wurden. Stark präsent: Die Auslandsorganisation der demokratischen Partei „Democrats Abroad“, die Poster verteilte, auf denen „Mein Körper, meine Regeln“ oder „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gefordert werden.

Worum geht’s beim „Women’s March“?

Der „Women’s March on Washington“ war eine Protestaktion im Januar 2017, die sich gegen US-Präsident Donald Trump und für die Stärkung der Frauenrechte weltweit aussprach. Trump hatte sich während seines Wahlkampfes mehrfach abfällig über Frauen geäußert. Großen Protest rief ein im Oktober aufgetauchtes Video aus dem Jahr 2005 hervor, in dem Trump sich dafür feiert, Frauen gegenüber übergriffig sein zu können („I just start kissing them“, „Grab them by the pussy.“)

In Washington nahmen rund eine halbe Million Demonstranten teil. Mehr als 900 Ableger gründeten sich auf der ganzen Welt, auch in Amsterdam, London, Rom, in Berlin, Frankfurt und München gingen Frauen auf die Straße. Inzwischen findet der „Women’s March“ zum dritten Mal statt.

Antisemitismus-Vorwürfe in den USA

In den USA ist die Bewegung in diesem Jahr wegen Antisemitismus-Vorwürfen gespalten. Organisatorin Tamika Mallory hatte ihre Bewunderung für den schwarzen Nationalisten Louis Farrakhan ausgedrückt, der die „Nation of Islam“ leitet und immer wieder wegen antisemitischen Äußerungen in der Kritik steht. Laut Medienberichten habe es auch bei Planungstreffen antisemitische Bemerkungen gegeben.

Einige große Organisationen und prominente Unterstützerinnen haben sich wegen der Diskussion zurückgezogen: Die Schauspielerin Alyssa Milano sagte ihre Teilnahme beim diesjährigen Women’s March ab, auch das Democratic National Committee (DNC) soll laut Berichten seine Unterstützung beendet haben. In manchen Städten werden Alternativ-Märsche organisiert.

Wofür oder wogegen wird konkret beim „Women’s March“ in Berlin demonstriert? 

In Berlin stehen Organisationen wie das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“, „Feministischer Streik“, „Women in Exile & Friends“ oder „§218 und §219a wegstreiken“ auf der Straße. Die Demonstration konzentriert sich weniger auf die Kritik an US-Präsident Trump, sondern folgt dem Leitsatz: „Frauenrechte sind Menschenrechte!“ 

Protest mit Doktorhut: Für Gleichheit in der Wissenschaft

Clara Schriever zum Beispiel ist mit zehn Unterstützerinnen des Projekts Fem4Scholar zum Berliner Womens March gekommen, ausgestattet mit Doktorhüten und Plakaten. Die Studenten und Uni-Mitarbeiter protestieren für Gleichberechtigung an Universitäten, mehr Frauen in Machtpositionen und eine Diversifizierung der Wissenschaften. „An europäischen Unis liegt der Frauenanteil bei 14 bis 24 Prozent“, kritisiert Schriever. „Sie haben zu wenig Einfluss auf die Lehre.“ Die Folge: Es würden zu oft dieselben weißen, männlichen Autoren gelesen, der Kanon verändere sich kaum. 

Echte Männer sind Feministen

Jeanne Freitag ist für den „Women's March“ und die „Wir haben es satt“-Demo extra aus Lüneburg angereist. Die 22-jährige Studentin findet es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass die Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist - immer noch gebe es Diskriminierung im Alltag, das Bewusstsein für sexuellen Missbrauch sei gering. Orlando Castillo, ein Freund von Jeanne, ist auch dabei und trägt ein „Real men are feminists“-Schild. Der 23-Jährige findet: „Männer müssen sich solidarisieren“.

Für Lesben und Transfrauen

Annet A., „waschechte Berlinerin“ aus Tempelhof, schwingt auf dem „Women's March“die Regenbogenfahne. Es hapere in Sachen Frauenrechte in Deutschland noch an so vielem, sagt die 54-Jährige. Opfer von häuslicher Gewalt würden zu wenig unterstützt, Frauen generell und Lesben und Transfrauen im Besonderen diskriminiert. Der Blick auf die Straße gibt ihr Hoffnung, so viele unterschiedliche Menschen seien zur Demo gekommen. „Wir können so viel voneinander lernen“.