Für die eingefleischten World-of-Warcraft-Fans war das eine rechte Herausforderung. Keine Figuren auswählen, Frisuren bestimmen, sich einer Fraktion zugesellen? Keine Teilnahme an Kämpfen? Stattdessen  im Kinosessel sitzen und einfach nur zugucken? So kann es gehen, wenn das Videospiel zum Kinofilm wird.

Am Mittwochabend hatte der erste Film, der auf der Grundlage der World of Warcraft-Spiele entstand, im IMAX-Kino im Sony Center am Potsdamer Platz Premiere. „Warcraft - The Beginning“ läuft am Donnerstag bundesweit in den Kinos an, in 3D wie es sich für einen Fantasy-Action-Film gehört. Der Titel legt nahe, dass die Macher mehr im Sinn haben als eine einzelne Episode. Die Handlung basiert natürlich auf dem Erfolgsspiel, in dem es Magier, Ritter, Elfen, Zwerge, Gnome und weitere fantastische Gestalten gibt, die gegeneinander kämpfen. Im Film müssen sich dann aber die  Menschen mit den Orks gegen einen gemeinsamen Feind verbünden. Für den Herr-der-Ringe-Fan ist das schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Eigens zur Premiere aus Köln angereist war Youtuber Simon Unge, der in seinen Lets-Play-Videos  und in seinen zahlreichen Streams World of Warcraft zu seinem Lieblingsspiel erklärt hatte. Bei mehr als 1,9 Millionen Abonnenten ist er da kein unwichtiger Meinungsführer. „Ich freue mich total auf die Premiere“, sagte er und wirkte sogar ein bisschen aufgeregt. Unge begrüßte zur Movie Night nicht zu zahlreiche Follower, die ihre Kinokarten im Internet gewonnen hatten, sondern - zusammen mit YouTube-Kollegen Robert Hofmann - auch die Hauptdarsteller des Films.

Travis Fimmel (unter anderem bekannt aus der Fernsehserie Vikings) und Paula Patton, die eine Hauptrolle in „Mission Impossible – Phantom Protokoll“ spielte, waren in Filmkostümen gekommen, standen allerdings etwas steif vor dem Kinosaal herum. Kein Wunder, es handelte sich dabei um Wachsfiguren, die den Hauptdarstellern und ihren Rollen als Lothar und Garona nachempfunden und die demnächst  bei Madame Tussauds Berlin zu sehen sind. Wobei „nachempfunden“ fast schon eine Beleidigung ist, schließlich wurden die Schauspieler für ihre Wachsebenbilder zentimetergenau vermessen und in sechs Monaten liebevoll erschaffen, wie es bei Madame Tussauds üblich ist. Und sie sehen wirklich atemberaubend lebensecht aus. Die Figuren, mit denen die Fans ab Ende Mai in Berlin auf Tuchfühlung gehen dürfen, sind denn auch 200 000 Euro wert. Vielleicht denkt da mal jemand dran, wenn er demnächst ein Selfie macht.