Berlin - Der Musikmanager Tim Renner wird neuer Kulturstaatssekretär in Berlin. Damit rückt erstmals ein Vertreter der Popkultur und Kreativwirtschaft an die Spitze der Berliner Kulturverwaltung. Tim Renner solle neue Akzente setzen, sagte der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD) bei der Vorstellung des Parteifreundes im Roten Rathaus am Donnerstag. „Aber wir sind uns einig, dass es keine radikalen Umbrüche geben wird.“

Diesen Eindruck bestätigte Renner. „Ich trenne nicht zwischen E- und U-Kultur. Für mich ist Kultur alles zwischen Barenboim und Berghain“, sagte der 49-Jährige, um anschließend die Bedeutung des gesamten Kultursektors für die Hauptstadt hervorzuheben. „Die Entwicklung der Stadt, so wie ich sie in den vergangenen Jahren erlebt habe, ist maßgeblich den Kreativen und Kulturschaffenden geschuldet“, sagte er. „Die Kreativen sind der Grund für Wachstum und der Grund, warum Berlin attraktiv ist.“

Neue Akzente setzen

Tim Renner, derzeit noch Geschäftsführer des Musiklabels Motor Entertainment, wird das Amt am 28. April antreten. Er folgt auf André Schmitz, der in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Schmitz hatte Teile einer Erbschaft nicht versteuert. Diese Affäre hatte Wowereit, der seit 2012 von dem Steuerbetrug wusste und nichts unternahm, in Bedrängnis gebracht.

Die Berufung Tim Renners wurde insgesamt positiv aufgenommen. „Tim Renner wird mit Sachkenntnis und Verständnis für die Bedürfnisse der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Hauptstadt sicher eigene Akzente setzen“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Bislang fließt der überwältigende Teil des Berliner Kulturetats von fast 400 Millionen Euro in die Opern- und Theaterhäuser. Der freien Szene mit ihren schätzungsweise 10 000 Malern, Schauspielern und Tänzern werden zehn Millionen Euro bereitgestellt. Hier könnte der neue Kulturstaatssekretär solche neuen Akzente setzen. „Tim Renner wird neue Impulse in den Diskurs bringen“, sagte denn auch Christophe Knoch, Sprecher der Koalition der freien Szene in Berlin. „Und das wird irgendwann auch budgetäre Auswirkungen haben.“

Kritischer sieht das Peter Raue, Kenner der Berliner Kulturszene und Mitbegründer des Vereins der Freunde der Nationalgalerie. „Ich glaube nicht, dass Renner die Strukturen der Berliner Kulturpolitik verändern kann“, sagte der Kunstförderer im Deutschlandradio Kultur. Das letzte Wort habe noch immer Wowereit, der seit 2006 in Personalunion auch dem Kulturressort vorsteht.