Berlin - Die Piraten sind schon mittendrin in einer wunderbaren Debatte über ihre künftige Pressestrategie und ob sie sich beraten lassen sollen und wie viel Geld das kosten darf und was das eigentlich bringt – da kommt Wowereit herein.

Klaus Wowereit, seit 2001 Regierender Bürgermeister von Berlin, ist am Dienstagnachmittag zu Gast bei den Piraten, den neuen und parlamentarisch natürlich noch ungeübten Fraktionären im Abgeordnetenhaus. Sie haben ihn eingeladen, jetzt sitzt er mit ihnen im Kreis. Die Luft ist dick, auf Wowereits Tisch steht eine Flasche Club-Mate, der Kult-Teemix der Jungpolitiker. Er rührt das Getränk nicht an.

Wowereit, 58, ist länger Politiker als mancher der anwesenden Piraten auf der Welt ist. Sie lassen ihn ein paar Minuten warten, weil sie den Tagesordnungspunkt noch zu Ende bringen wollen. „Sie haben doch ein bisschen Zeit mitgebracht?“, fragt Promi-Pirat Christopher Lauer, der in den vergangen Wochen in so vielen Talkshows Gast war wie sonst nur der Senatschef. Wowereit hat sich ein paar Blätter ausdrucken lassen, Kurzbiografien der Piraten und ein bisschen was zur Netzpolitik. Aber eigentlich braucht er das nicht.

Routiniertes Textprogramm

Er wickelt die Jungs (die einzige Piratin, Susanne Graf, ist krank) schnell ein. Bedankt sich für die Einladung, stellt sich vor („von Geburt Berliner“) und spult dann routiniert sein aktuelles Textprogramm ab: Rot-Rot war erfolgreiche Regierung, mit den Grünen ging es nicht wegen brüchiger Vertrauensbasis, Berlin hat sich enorm entwickelt, ist internationale Metropole, ganz wichtig ist gebührenfreie Bildung, aber auch die Wohnungspolitik wegen der Mieten... – „Entschuldigung, wissen Sie, wie lange das noch dauert?“, unterbricht ihn Lauer nach einer Viertelstunde, weil er die Totquatsch-Strategie des Klaus Wowereit durchschaut hat. Man brauche ja noch Zeit für Fragen.