Vielleicht kennen Sie das: Sie wohnen zentral und haben kein Auto, weil Sie ganz einfach keins brauchen. Und trotzdem denken Sie manchmal: Ach, es wäre schon ganz praktisch, eins zu haben. Mit Freunden, die ein Auto besitzen, gab es mal die kurze Überlegung, ob man es nicht teilen könnte – bis sich schnell herausstellte, dass die Nutzungsgewohnheiten absehbar ziemlich identisch sein würden: Am Wochenende mal raus fahren, während das Auto unter der Woche ungenutzt sein Dasein in einer Parklücke fristet, bewegt höchstens, wenn mal ein sperriger Einkauf ansteht.

Den temporären Wunsch nach einem Auto vor der Tür, nur so für den Fall der Fälle, kuriert in der Regel ohnehin der erste innerstädtische Stau, in den ich gerate, wenn ich doch mal mit einem Auto unterwegs bin. Vor ein paar Tagen war es soweit, für einen Termin hinter der Stadtgrenze fiel die Wahl auf das Stundenpaket eines Carsharing-Anbieters. Das Wetter änderte sich praktisch minütlich und während eines stürmischen Hagelschauers biblischen Ausmaßes war ich über die Entscheidung doch recht froh.

Bis die nächste Baustelle die Fahrbahnen verengte und die Rückstände der geschmolzenen Hagelkörner die Bremslichter der Wagen vor mir grell reflektierten. Auch in Momenten, in denen nichts vorangeht, suchen stets manche Mitmenschen ihren Vorteil. So scherten einige Autofahrer nach rechts auf den Parkstreifen aus, um sich zwanzig Meter weiter wieder einzufädeln. Sie würden dadurch bestimmt eine Minute eher am Ziel eintreffen. Ringsum saß in den meisten Autos jeweils nur eine Person, was nach logischem Ermessen unverhältnismäßig wirkte: so viel Stau für so wenig Mensch.

Als Minuten später die Baustelle in Sichtweite rückte, war sie genau so verwaist wie die drei bereits passierten. Das Navi korrigierte die voraussichtliche Ankunftszeit beständig nach vorn. Pünktlich einzutreffen, erschien bald ausgeschlossen, obwohl ich extra zwanzig Minuten früher als empfohlen losgefahren war. Als es sich vor einer Einmündung erneut staute, widerstand der Fahrer auf der Nebenspur Impulsen wie Wut oder Verzweiflung, er begab sich in die Resignation und legte seinen Kopf auf dem Lenkrad ab. Immerhin, das ist im Auto bequemer als auf dem Fahrrad.