Berlin -  „Maschine“ startet durch. Nahe des Orankesees, wo man derzeit Dieter Birr, den einstigen Frontmann der Kultband Puhdys, im Tonstudio trifft. Er rockt wieder – und wie. Eine neue Plattenfirma macht es möglich. Und neue Mitstreiter, mit denen der 77-jährige Musiker und Sänger im idyllischen Norden von Berlin an seinem fünften Solo-Album arbeitet. Der erste Song ist schon fertig: ein Lied über Corona.

Die Aufnahme ist vor wenigen Tagen entstanden. Am Freitag erscheint schon die Single. Doch beim Studio-Besuch der Berliner Zeitung steht Maschine mit Lederjacke und Gitarre noch einmal vor dem Mikro, um sein neues Lied vorzuspielen. Produzent Lukas Schaaf fährt am Laptop die Musik ab, die mächtig aus den Boxen klingt. „Verlierer und Helden, Leben und Tod: Die Ampeln des Lebens stehen auf Rot“, singt Birr dazu. Die ersten Zeilen des Liedes, das er mit „Bessere Tage“ überschrieben hat.

Maschine dürfte damit zu den ersten Künstlern gehören, die das Thema Corona offen in einem Lied verarbeitet haben. „Jeder ist darin angesprochen, wird sich in dem Song wiederfinden“, sagt er. „Egal in welchem Job, in welcher Situation: Auch wenn jetzt die lang ersehnten Lockerungen kommen, mussten wir alle gemeinsam tragische Tage durchstehen, in denen ein kleiner, unscheinbarer, aber gefährlicher Virus unseren gewohnten Alltag veränderte und Opfer forderte. Ich bin mir sicher, es werden wieder bessere Tage kommen. Mit dieser Aussicht endet auch mein Lied.“

Video-Dreh während der Ausgangssperre

Wie sich das Leben in der Pandemie in Berlin drastisch änderte, wurde Maschine beim Dreh des Videos zu dem Song bewusst. „Das war vor wenigen Wochen. Da galt in der Stadt ab 22 Uhr noch die Ausgangssperre“, sagt er. „Es war gespenstisch, als wir zu dieser Zeit auf dem Alex, an der Friedrichstraße und auf dem Potsdamer Platz drehten. Die Orte, an denen sonst zu dieser Zeit noch das Berliner Leben tobt, waren plötzlich wie ausgestorben. Man konnte sich gar nicht vorstellen, dass so etwas einmal passiert.“

Für Birr bedeutete der lange Lockdown, keine Auftritte mehr zu haben. Einfach nur daheim zu sitzen und auf bessere Tage zu warten, ist aber nicht sein Ding. „Musik ist mein Leben“, sagt Maschine. „Also spielte ich fast jeden Tag mit der Gitarre, denn auch ein Musiker muss sich wie ein Sportler fit halten und auf seinem Instrument trainieren.“ So manche Songs entstanden in dieser Zeit. „Allerdings habe ich dabei nicht an ein neues Album gedacht“, sagt Birr.

Dass nun ein Longplayer im Werden ist, dafür sorgte Steven Dornbusch, der Manager der Deutsch-Rock-Band Goitzsche Front, mit der Dieter Birr Pfingsten 2019 seinen ersten Auftritt nach einer Tumor-OP hatte. „Als ich jetzt von Maschine hörte, dass er neue Songs schrieb und noch keinen richtigen Plan dafür hätte, sagte ich zu ihm: ,Wenn ich dein Manager wäre, würde ich dir raten, daraus ein Album zu machen‘“, erklärt Dornbusch. Und so kam es. Dornbusch ist nun der neue Manager von Maschine, der dem Ex-Puhdys-Star außerdem zu einer neuen Plattenfirma verhalf, bei der auch Julia Neigel unter Vertrag ist.

Für das geplante Album, das nun im Studio von Produzent Lukas Schaaf entsteht und zusammen mit Maschines Keyboarder Marcus Gorstein produziert wird, ist neben dem Corona-Lied „Bessere Tage“ noch ein weiterer Song fertig. Ein recht trauriges Stück mit dem Titel „Sternenkinder“, in dem es um ein junges Paar geht, das sich sehr auf sein künftiges Baby freut – aber das kommt tot zur Welt.

Im kommenden Jahr soll das Album fertig werden. „Die lange Zeit brauche ich auch“, sagt Birr. „Denn in den nächsten Monaten werde ich dank der Lockerungen auch wieder viel auf der Bühne stehen.“ Am 12. Juni geht das Touren mit seiner Show „Maschine intim – Lieder für Generationen“ in Rathenow los, die der Ex-Puhdy mit Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker bestreitet. Am 26. Juni spielen sie in Magdeburg, am Folgetag in Dresden.