Eisenhüttenstadt - Zwölf Jahre lautete das Strafmaß für den sogenannten Paten von Neuruppin im bis dahin größten Verfahren gegen organisierte Kriminalität in Ostdeutschland. Olaf K. hatte als Chef der XY-Bande Rauschgifthandel und illegales Glücksspiel im großen Stil betrieben. Das Urteil fiel 2006. Und Olaf K., einst CDU-Stadtparlamentarier und Vorzeigeunternehmer, hätte bei Anrechnung der Untersuchungshaft und guter Führung das Gefängnis nun auf Bewährung verlassen können. Doch daraus wird nichts.

Das Landgericht Neuruppin hat den Antrag der Anwältin des 44-Jährigen auf vorzeitige Haftentlassung Ende des vergangenen Jahres abgelehnt. Entscheidend sei ein forensisch-psychiatrisches Gutachten gewesen, sagte Gerichtssprecher Frank Stark. Mit dieser Expertise hätten die Richter die vorzeitige Haftentlassung mit Blick auf die Sicherheit der Allgemeinheit gegenwärtig nicht befürworten können.

„Die Entscheidung ist auch getroffen worden, weil das Gericht Kenntnis von einem neuen Verfahren gegen Olaf K. hatte“, sagte der Gerichtssprecher. In dem neuen Verfahren wird ihm die Verabredung zu einem Verbrechen vorgeworfen. Der Prozess beginnt am kommenden Donnerstag vor dem Amtsgericht in Eisenhüttenstadt. Laut Anklage soll Olaf K. im Jahr 2010 im Cottbuser Gefängnis von einem Mann aus dem Rockermilieu angerufen und aufgefordert worden sein, bei einem Mitgefangenen Schulden einzutreiben – notfalls mit Gewalt. Olaf K. soll sich bereiterklärt haben, sich um die Sache zu kümmern. Ihm sei dafür auch Geld in Aussicht gestellt worden.

XY in den Autokennzeichen

Die Sache flog auf, weil der Auftraggeber aus Eisenhüttenstadt schon länger im Visier der Ermittler stand und sein Telefon abgehört wurde. Der Rocker wurde Anfang 2012 wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Auch die versuchte räuberische Erpressung im Cottbuser Gefängnis spielte für das Strafmaß eine Rolle. Im Frühsommer 2012 erhob die Staatsanwaltschaft dann Anklage gegen Olaf K.

Die XY-Bande war Ende der 1990er-Jahre gegründet worden. Die Mitglieder trugen gleichartige Siegelringe und führten die Buchstaben XY in den Kennzeichen ihrer Autos. Kopf der Bande war Olaf K., der für seine illegalen Geschäfte ein riesiges Netzwerk in der Stadt aufgebaut hatte. Mit einer Razzia beendete die Polizei im August 2004 das Treiben. Zeitweise wurde gegen bis zu 100 Personen ermittelt.

Für den neuen Prozess gegen Olaf K. ist laut Eisenhüttenstädter Amtsgericht bisher nur ein Verhandlungstag vorgesehen.