Unter dem Titel „Israel macht glücklich“ lobte ich neulich Israel. Wie kritische Leser bemerkten, geschah das schon häufiger, und es wird, wie ich versichere, nicht das letzte Mal gewesen sein. Da ich zum 70. Jahrestag der Staatsgründung gratulierte, sah ich keinen Grund, auf die Auseinandersetzungen am Grenzzaun zu Gaza einzugehen. Doch ist verharmlosend, wenn deutsche Medien von „Demonstranten“ sprechen.

Diskreditierung Israels beabsichtigt

Meine Leserin Marianne P. machte daraus Friedensfreunde, „die ohne Feuerwaffen nur für eine menschenwürdige Heimat demonstrieren wollten“. Tatsächlich handelte es sich um Aggressoren, die an mehreren Stellen versuchten, die Grenzanlagen mit Gewalt zu durchbrechen, um in israelisches Staatsgebiet einzudringen. Davor hatte sie Israel tagelang gewarnt. Dennoch schickten korrupte Hamas-Führer ihre Anhänger mit Absicht in den Tod, um Israel international zu diskreditieren.

Christoph Kleßmann, emeritierter Professor für Zeitgeschichte, schrieb: „Alys Produkt ‚Israel macht glücklich‘ war nur noch peinlich“. Ihm fehlten Hinweise zur „schwierigen Gesamtkonstellation“. Dazu sei gesagt: 1. sind Kolumnen keine Doktorarbeiten, 2. erscheinen mir Israelis gemessen an den Deutschen insgesamt glücklicher zu sein, und 3. war die Gründung dieses Staates für die Überlebenden des Holocaust ein wunderbares Glück.

Heiko Maas ist eine bemerkenswerte Ausnahme

Kleßmann und Dr. Georg-Michael F. verstanden meine Mitteilung, dass die Eitelkeit von Heiko Maas bei dessen jüngstem Rundgang durch Yad Vashem unangenehm auffiel, als „gezielte“ und herabsetzende „Sottise“. Dazu: Weil ich schon viele Monate in Yad Vashem gearbeitet habe, kenne ich höchst positive Berichte über Rundgänge mit Angela Merkel, Sigmar Gabriel, Maria Böhmer und anderen. Maas ist eine bemerkenswerte Ausnahme, zumal nur er behauptet, „wegen Auschwitz in die Politik gegangen“ zu sein.

Der Leser D. L. sprach von „israelischen Scharfschützen in Gaza“, die „100 unbewaffnete Protestierende erschossen und weitere 5000 Menschen verletzt“ hätten, und fand: „Es ist an der Zeit, dass die Welt geschlossen hinter Sanktionen gegen Israel steht.“ Frank H. meinte, „Gaza ist ein Ghetto“ und orakelte: „Wer weiß, wer wirklich hinter den Morden an Jizchak Rabin und dem brillanten Vermittler Olof Palme steht.“ Ob Herr H. an „das Weltjudentum“ denkt?

Jürgen I. monierte, Israel verletze Uno-Resolutionen. Das stimmt. Aber als der Staat Israel am 14. Mai 1948 dank der Uno-Resolution 181 (II) ausgerufen wurde, erklärten ihm sämtliche Nachbarstaaten und der Irak sofort den Krieg. Nur Ägypten und Jordanien erkannten Israel später an. Wer sich heute auf Uno-Resolutionen beruft, sollte zunächst einmal das Existenzrecht Israels und die dafür grundlegende Uno-Resolution 181 (II) anerkennen. Ist das zu viel verlangt?

Keine Aufrechnung begangener Taten möglich

Es wäre ermüdend, die Reihe anti-israelischer Reaktionen zu verlängern, die meiner kleinen Gratulation folgten. Aber denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, bitte an eines: Hierzulande steckt in vielen Israel-Kritiken der uneingestandene Drang, die wirklich schwer erträgliche Schuld der Deutschen am Holocaust mit heutigen Untaten von Israelis zu verrechnen. Ich nenne das Schuld-Antisemitismus. Versuchen wir, uns davon frei zu machen. Ich bin froh, dass unsere Regierungen aus historischer Verantwortung fest zu Israel stehen. Auch Heiko Maas tut das in sehr klarer Weise.