Der Eingang des Kriminalgerichts Moabit. Hier beginnt der Prozess gegen einen Youtuber, der mehrere jugendliche Mädchen sexuell missbraucht haben soll.
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Berlin-MoabitEr rühmte sich in einem Video damit, eine Millionen Abonnenten auf Youtube zu haben. Er sprach davon, dass „4 000 Girls“ ihn feiern würden. Er wusste, dass Teenager, vor allem junge Mädchen, auf seine Videos stehen würden und wohl davon träumten, in einem solchen Clip die Hauptrolle spielen zu können. Das nutzte der Youtuber Yo Oli offenbar schamlos aus.  

Seit Mittwoch muss sich Junus W., so der bürgerliche Name des Influencers, vor einer Jugendkammer des Berliner Landgerichts verantworten. Wegen sexuellen Missbrauchs von drei Teenagern. Eines der Mädchen war erst 13 Jahre alt und damit noch ein Kind.

Junus W., ein blasser junger Mann, wurde in T-Shirt, Jeans und Turnschuhen aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Er wirkt wesentlich jünger als seine 25 Jahre. Dem Gericht gab er bereitwillig Auskunft über Geburtstag, Wohnort, Familienstand und Staatsbürgerschaft. Das war aber auch schon alles, was man an diesem ersten Verhandlungstag von dem in seinen Videos sonst so redegewandt und cool daherkommenden jungen Mann hörte.

Denn es war ein kurzer Prozess für das Publikum. Keine zehn Minuten nach dem Aufruf zur Verhandlung und noch vor der Verlesung der Anklage verkündete Gregor Hain, der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer, die Öffentlichkeit bis auf Weiteres auszuschließen.

Opferschutz geht vor

Die Begründung, die Hain nannte, war durchaus nachvollziehbar: Die Geschädigten seien im minderjährigen Alter. In der Anklage würden Details genannt, die die Intimsphäre der Mädchen und damit den Kern ihrer Privatsphäre berührten. Der Prozess sei eine besondere Belastung für die Jugendlichen. Opferschutz gehe in diesem Fall vor Öffentlichkeit.

Die Anklage wirft Junus W. sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch von Kindern, Freiheitsberaubung und Körperverletzung vor. Der junge Mann soll drei zur Tatzeit 13, 14 und 16 Jahre alte Mädchen bei Instagram und Snapchat kennengelernt, sich mit ihnen verabredet und sie unter einem Vorwand in sein Auto gelockt haben.

Der Angeklagte soll den Traum der Mädchen, mit einem Video auf seinem Social-Media-Kanälen bekannt zu werden, ausgenutzt haben. Doch statt ein Video zu drehen, sei Junus W. mit jedem der Teenager zu einem entlegenen Parkplatz in Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen gefahren. Dort habe er die Mädchen missbraucht.

Bei den für die Taten benutzten Fahrzeugen handelte es sich teilweise um Leihwagen. Die Autos soll Junus W. präpariert und mit Matratzen ausgestattet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten insgesamt fünf Missbrauchstaten vor, die er zwischen Februar 2018 und Juni dieses Jahres begangen haben soll.

Urteil vor Publikum

Junus W., der in Berlin lebt und der daher am Landgericht der Hauptstadt auf der Anklagebank sitzt, war nach der letzten mutmaßlichen Tat Mitte Juni verhaftet worden und saß zunächst rund vier Wochen in Untersuchungshaft.  Er kam zunächst unter der Auflage frei, die Sozialen Medien zu meiden. Doch weil er die Auflage verletzte, wurde der Haftverschonungsbeschluss Mitte August dieses Jahres wieder aufgehoben. Seitdem wartete er in der Untersuchungshaftanstalt Moabit auf seinen Prozes.

Junus W. soll zu den Tatvorwürfen geschwiegen haben. Deswegen müssen die drei betroffenen Jugendlichen – heute 14, 15 und 17 Jahre alt – vor Gericht aussagen. Noch am ersten Tag sollte eines der Mädchen und deren Familienangehörige als Zeugin gehört werden – hinter verschlossenen Türen.

Für das Verfahren gegen den Influencer, der in der Youtube-Community schon vor seiner Verhaftung durchaus umstritten war, sind bisher insgesamt acht Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil könnte demnach am 20. Dezember fallen. Gregor Hain, der Vorsitzende Richter, versprach, dass die Entscheidung des Gerichts „in jedem Fall öffentlich“ verkündet werden würde.