Berlin - Auslegeware statt Eichenparkett, funktionale Deckenbeleuchtung statt Duftkerzenschein. Nur wenige Meter liegen zwischen dem SAP-Gebäude in der Rosenthaler Straße in Mitte und Spirit Yoga, einem der schicksten Yogalofts der Stadt. Die Unterschiede aber könnten nicht größer sein. Die fünf Angestellten, die am Montagvormittag zu ihrer wöchentlichen Yogastunde erscheinen, stört das nicht. Sie haben sich schon in ihren Büros umgezogen, eine Frau trägt oben herum noch den Businesslook mit Bluse und Strickjacke, die anderen schnörkellose Trainingsklamotten. Ihre mitgebrachten Yogamatten breiten sie in einem kleinen Sportraum aus, der nichts anderes ist als ein unmöblierter Konferenzraum. Von der Decke hängen Neonleuchten, auf dem Flur hört man die eiligen Schritte der anderen Mitarbeiter. Das Arbeitsleben geht draußen weiter, während sich die Teilnehmer drinnen auf eineinhalb Stunden Business Yoga einstellen.

Genau diese Alltagsatmosphäre macht für die Yogalehrerin Christiane Suckow-Büchler den Reiz der Business-Yoga-Klassen aus: „Es ist toll zu sehen, wie wenig man braucht. Man muss nur ein paar Stühle und Tische beiseite räumen, und schon hat man Platz für Yoga.“ Sie verzichtet in ihren Kursen bewusst auf die typische Entspannungsmusik und verpackt auch keine spirituellen Botschaften zwischen ihren Anleitungen. Mehr als ein dreimaliges „Om“ verlangt sie ihren Schülern nicht ab. Yoga sei ein Selbstläufer, sagt die 47-jährige Lehrerin, man müsse es nicht verstehen, damit es wirkt. Ihre Kursteilnehmer sollen sich lieber auf die Übungen konzentrieren. Es geht ums Ankommen und um Achtsamkeit, zwei Dinge, die gerade Büroangestellten oft fehlen.

Gestresste Manager

In den Kursen von Christiane Suckow-Büchler sitzen Manager, die beruflich viel reisen, die mehrere Dinge gleichzeitig erledigen, telefonieren und Emails lesen, oft auch am Wochenende. Wenn gerade die Quartalszahlen oder Umstrukturierungen anstehen, spüre sie die Anspannung ihrer Schüler sofort, sagt sie. Gerade dann sei es wichtig – aber auch schwierig – mal ganz ruhig in der sogenannten Totenstellung Savasana auf dem Boden zu liegen und in sich hineinzuhorchen: Wo berührt mein Körper den Boden, ist die Stirn entspannt, und was macht eigentlich mein kleiner Zeh?

Auch die Stunde bei SAP beginnt mit Körperwahrnehmung. Die Übungen danach sind ganz auf die Bedürfnisse von Schreibtischarbeitern zugeschnitten. Der Drehsitz für die Wirbelsäule, die Kriegerstellung für Standfestigkeit in Rumpf und Oberkörper, die Stellung des Kindes, um Verspannungen im Rücken zu lösen. Und immer wieder die Fragen: „Ist euer Nacken noch entspannt? Ist der Kiefer noch locker?“ Die Wahrnehmung solcher Stresssignale soll die Angestellten im Idealfall in ihren Alltag begleiten und sie so vor Überforderung schützen. Christiane Suckow-Büchler zeigt ihren Schülern auch Entspannungsübungen, die sie am Schreibtisch machen können: „Das geht zur Not auch im Anzug“.