Auch in Berlin ist Do-it-yourself Mode geworden. In unserer Serie stellen wir in loser Folge Selbermach-Trends und die Menschen dahinter vor. Heute: Ein Besuch bei der Firma YOUin3D.com, die mit 3D-Druckern arbeitet.

Keine normale Multimedia-Agentur

Schon der Fries aus rot gestrichenen Computertastaturen an der Hauswand in der Hannoverschen Straße in Mitte lässt vermuten, dass YOUin3D.com keine normale Multimedia-Agentur ist. Wer im Inneren des Ladens, in dem früher eine Bäckerei, dann ein Stasi-Horchposten und nach der Wende ein Atelier waren, ins Hinterzimmer geht, findet sich in einem abenteuerlichen Hackerparadies wieder: Die Wände sind hinter Kabeln verschwunden, in der Ecke türmen sich antiquierte Computermonitore. Im Schaufenster stapeln sich 3D-Drucker, die die Macher von YOUin3D.com zum Teil selbst zusammengebaut haben – aus Bauteilen, die sie mit so einem 3D-Drucker gefertigt haben.

Auf diesen Geräten, die nach Computerentwürfen kleine Figuren, Ersatzteile und Bauelemente aus Kunststoff gießen, ruht die Hoffnung des Unternehmens. Im Augenblick verdient man sein Geld noch mit der Erstellung von Websites und virtuellen 3D-Modellen. „Doch unser Ziel ist es, der erste 3D-Copyshop in Berlin zu werden“, sagt Gründer Jan Northoff.

Eigentlich ist Northoff Künstler. Er hat in Kassel freie Kunst studiert, Medieninstallationen gemacht und ein Programm geschrieben, das auf Fragen des Zuschauers im Stil von Joseph Beuys antwortete. „Aber 2008 hatte ich eine Sinnkrise und wollte mit Kunst nichts mehr zu tun haben“, sagt Northoff. „Ich wollte etwas Sinnvolles machen.“ Zusammen mit Freunden gründete er YOUin3D.com, um für das Online-Spiel „Second Life“ Figuren und Räume zu entwerfen.

Für die virtuelle 3D-Welt entstand in der Firma unter anderem ein digitales Berlin, das für viel Aufsehen und Berichterstattung sorgte, und das brachte ihr Kunden. Die Firma baute für die Computerwelt unter anderem das Einkaufszentrum Alexa und das Waldkrankenhaus Spandau nach. Nur, richtig profitabel war das nicht.

Viel Wind um 3D-Drucker

Dafür lernten Northoff und seine Kollegen, wie man mit 3D-Modellierungsprogrammen arbeitet. Dann hörten sie von den ersten 3D-Druckern, die für 2000 Euro verkauft wurden und mit denen man dreidimensionale Computermodelle als reale Objekte ausdrucken konnte. Im Januar 2012 bestellten sie das erste Gerät aus den USA und begannen, sich in die neue Technik hineinzufuchsen. Und weil sie zu den ersten gehörten, die in Berlin so einen Apparat hatten, gab es schnell neue Aufträge: Auftritte bei Messen und Kongressen, und der Bau von Objekten für die Werbung und Prototypen für Firmen.

Um 3D-Drucker wird derzeit viel Wind gemacht. Der amerikanische Computerjournalist Chris Anderson prophezeit in seinem Buch „Makers: Die nächste industrielle Revolution“ schon eine Individualisierung aller Produktionsprozesse, die diese Technologie auslösen werde. Schon bald könne jeder zum Schöpfer von Objekten von industrieller Qualität werden.

„Eine Revolution ist das schon, aber sie beginnt nicht heute und morgen“, glaubt hingegen Northoff. Die Zeit, wo in jedem Haus ein 3D-Drucker steht, der bei Bedarf zerbrochene Gardinenringe und verlorene Füllerkappen nachdruckt, sei noch weit entfernt – wenn sie überhaupt jemals komme. Im Augenblick seien die Maschinen noch zu schwierig zu bedienen und zu unzuverlässig. Allerdings, betont er, ist mit der neuesten Generation von 3D-Druckern ein großer Schritt hin zu Geräten getan worden, die auch von Leuten bedient werden können, die nicht Informatik studiert haben.

„Wenn Leute öfter mit Aufträgen zu uns kommen, raten wir zum Kauf eines eigenen Geräts“, sagt er. „Die billigsten Modelle kosten inzwischen 1000 Euro. Das Geld ist schnell wieder drin, wenn man viel damit arbeitet.“ Seine Firma verkauft auch 3D-Drucker, viele von ihnen aus eigener Produktion. „Das beste, was man mit 3D-Druckern machen kann, ist neue 3D-Drucker zu machen“, grinst Northoff, und fügt hinzu: „Mit ihnen macht man etwas aus dem Nichts und das fasziniert mich.“