Die Zahl der Brandanschläge auf Autos hat in Berlin einen neuen Rekord erreicht. Im vergangenen Jahr habe es 412 Fälle von Brandstiftung an Kfz gegeben, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung. Damit übersteigt diese Zahl jene des Jahres 2011, das mit 403 Fällen bislang den traurigen Spitzenplatz mit den meisten Autobrandstiftungen hielt.

Den Brandanschlägen im vergangenen Jahr lagen laut Polizei in den meisten Fällen nicht-politische Motive zugrunde. Dazu zählen etwa Versicherungsbetrug, Ärger mit Nachbarn oder Vandalismus. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um 344 Fälle, in denen 348 Fahrzeuge direkt angezündet wurden. Weitere 213 Autos wurden durch Flammen und Hitze zerstört oder beschädigt.

68 Fälle waren im vergangenen Jahr laut Polizei politisch motiviert, bei denen 78 Fahrzeuge direkt angegriffen und weitere 68 in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Bereits im Jahr 2020 waren die Zahlen wieder angestiegen. Damals zählte die Polizei insgesamt 382 Fälle von Autobrandstiftung.

Obwohl die Zahl dieser Taten im vergangenen Jahr die des Jahres 2011 übertrifft, reicht die Zahl der betroffenen Autos (insgesamt 707) noch nicht ganz an die des bisherigen Rekord-Jahres 2011 heran: Bei den 403 Anschlägen damals waren 759 Fahrzeuge durch Feuer zerstört und beschädigt worden.

Polizei verzichtet auf eigene Ermittlungsgruppe

Wegen des massiven politischen Drucks hatte die Polizei damals eine eigene Ermittlungsgruppe, die „BAO Feuerschein“ gegründet. Unterstützt wurde die Berliner Polizei damals auch von Bundespolizisten, die im gesamten Stadtgebiet unterwegs waren, um Jagd auf Brandstifter zu machen. Die Fahnder konnten damals einen Serientäter ermitteln, der allein in mehr als einhundert Fällen meist hochwertige Autos in Brand gesetzt hatte – aus Frust, wie er vor Gericht zugab. Danach halbierte sich die Zahl der Brandstiftungen fast.

Eine solche Ermittlungsgruppe gibt es derzeit nicht. Anfang April nahmen Beamte einer Einsatzhundertschaft in der Rigaer Straße in Friedrichshain einen 35-jährigen Mann fest, der dort zuvor einen geparkten Ford angezündet hatte. Insgesamt konnten 37 Tatverdächtige ermittelt werden, darunter im Herbst auch ein Angehöriger der linksextremen Szene, der in Kreuzberg mehrere Fahrzeuge angezündet haben soll.

Auch in diesem Jahr brannten in Berlin schon wieder zahlreiche Autos. Bis zum vergangenen Mittwoch zählte die Polizei 51 Fälle von Brandstiftung, bei denen 52 Fahrzeuge direkt angezündet und 22 weitere in Mitleidenschaft gezogen wurden. Unter den angezündeten Autos waren etwa in der Nacht zu Dienstag ein Mercedes, der in der Reichenberger Straße in Kreuzberg abgestellt war. Und in der Sybelstraße in Charlottenburg brannte ein Smart, wobei die Flammen auf zwei weitere Fahrzeuge übergriffen.