Gleich gehts weiter. Ein Elektroauto an der Ladesäule.
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BerlinNoch immer sind sie eine Randerscheinung, und weiterhin stehen viele Autofahrer ihnen skeptisch gegenüber. Doch die Zuwachsraten sind beachtlich. Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Elektrofahrzeuge, die in Berlin zugelassen sind, um rund 70 Prozent zugenommen. Das ergibt sich aus neuen Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), die jetzt veröffentlicht worden sind. „Die Zunahme zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte Gernot Lobenberg, Chef der landeseigenen Agentur für Elektromobilität (emo). „Unter Experten und zunehmend auch in der Bevölkerung ist klar, dass elektrische Fahrzeuge die Zukunft sind - gerade in Berlin.“

Zu Beginn des Jahres 2019 waren in Berlin 3293 batterieelektrische Fahrzeuge und 2244 Plug-In-Hybride zugelassen, so das KBA. Bis zum 1. Januar 2020 stiegen die Zahlen auf 5871 batterieelektrische Fahrzeuge und 3539 Plug-In-Hybride. Beide Fahrzeuggattungen zählen statistisch zur Elektromobilität, erklärte Lobenberg. Rechnet man den Bestand zusammen, ergab sich der zwölf Monate ein Zuwachs von 5537 auf 9410 Fahrzeuge. Pkw haben einen großen Anteil. Zu Beginn dieses Jahres gab es 4886 Elektro-Autos und 3538 Plug-In-Hybride, deren Kennzeichen mit B wie Berlin beginnen, geht aus der Statistik der Flensburger Bundesbehörde weiter hervor.

Die Zahlen zeigen auch, dass es bei den elektrischen Nutzfahrzeugen in Berlin ebenfalls ein Plus gab. „Ursache für den Anstieg ist unter anderem das sehr erfolgreiche Förderprogramm ‚Wirtschaftsnahe Elektromobilität‘ der Senatswirtschaftsverwaltung,“ sagte Lobenberg. Es unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen, die sich Elektrofahrzeuge und Ladesäulen anschaffen wollen. Insgesamt steige der Anteil der E-Mobile an der Zahl aller Neuzulassungen weiterhin an - im Februar erreichte er bundesweit bereits bei sieben Prozent, so der Geschäftsführer der Landesagentur.

"Gewisse Kaufzurückhaltung"

„Die Zahlen hätten aber für 2019 merklich höher ausfallen können“, gestand Lobenberg ein. Offenbar habe es Ende des vergangenen Jahres eine „gewisse Kaufzurückhaltung“ gegeben, weil die Bundesregierung für dieses Jahr eine Erhöhung der Umweltprämie angekündigt hatte. Potenzielle Käufer hätten ihre Entscheidung hinausgezögert. Nicht zuletzt habe es lange Lieferzeiten gegeben, so Lobenberg. Bei manchen Herstellern war die "Lieferfähigkeit nicht gegeben".

Der Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin wies darauf hin, dass KBA-Statistiken nicht immer das ganze Bild zeichnen. So müsse berücksichtigt werden, dass Volkswagen WeShare in Berlin rund 2000 E-Autos im Carsharing anbietet. Obwohl sie hier vermietet werden, sind alle Fahrzeuge in Weimar angemeldet. Ihre Kennzeichen beginnen mit WE - ein Werbegag, der an den Namen des Carsharingangebots erinnert. „Weimar dürfte vermutlich in Deutschland die höchste E-Auto Dicht pro Kopf haben“, so Knie. Betrachtet man alle Bereiche, so falle der Anstieg der Zulassungen „deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt“ aus, sagte er.

Zahl der Diesel sank nur geringfügig

Sein Fazit zu den Elektrofahrzeugen in Berlin: „Es sind mehr als es scheint, aber weniger als es müssten, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. Berlin könnte ja ein eigenes Länderprogramm zur Förderung von elektrischen Fahrzeugen auflegen – sozusagen als grünes Konjunkturprogramm“, schlug Knie vor.

Auch die Zahl der übrigen Kraftfahrzeuge ist in Berlin gewachsen. So waren laut KBA Anfang dieses Jahres mehr als 1,45 Millionen Kfz zugelassen, das sind knapp 18.500 mehr als zwölf Monate zuvor. Betrachtet man ausschließlich die Pkw, so nahm deren Zahl auf 1,22 Millionen zu,was einer Zunahme um mehr als 10.600 entspricht. Auch die Berliner scheinen vom Diesel noch nicht entwöhnt zu sein, allen Skandalen zum Trotz. Die Zahl der Pkw, die mit diesem Kraftstoff betankt werden, sank nur leicht - um weniger als 10.000 auf knapp 289.000.

Im Vergleich zur Bevölkerungszahl ist die Motorisierung in Berlin allerdings weiterhin gering. Darauf weisen auch die Ergebnisse der jüngsten Studie "Mobilität in Städten" hin, für die 2018/19 im Auftrag der Technischen Universität Dresden Haushaltee befragt worden waren. Sie ergab, dass rund 43 Prozent der Haushalte in Berlin über kein eigenes Auto verfügen. Bei der Vorgängerstudie, die 2013 stattfand, hatte dieser Anteil knapp 40 Prozent betragen.