Pflegekräfte versorgen eine Frau in einem Pflegeheim.
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BerlinDie Zahl von Bewohnern und Mitarbeitern in Berliner Pflegeheimen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, ist gestiegen. In 41 Pflegeheimen wurden mit Stand von Dienstagabend 178 Bewohner und 87 Mitarbeiter positiv auf das neuartige Virus getestet, das unter anderem für Ältere besonders gefährlich ist. 

Innerhalb von knapp einer Woche ist die Zahl damit um 41 Bewohner und 20 Mitarbeiter gestiegen. 37 Infizierte sind bereits in Pflegeheimen gestorben. Diese Zahl hat sich nicht erhöht. Das geht aus einem Bericht der Senatsgesundheitsverwaltung hervor, der der Berliner Zeitung vorliegt.

Das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Corona-Infektion steigt laut Robert-Koch-Institut ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren. Bisher sind in Deutschland noch vor allem jüngere Altersgruppen und Berufstätige infiziert. Wird das Virus nun vermehrt in Pflegeeinrichtungen eingetragen, befürchten Experten, dass die Sterblichkeitsrate steigen könnte. Diese Sorge äußerte auch der Virologe Christian Drosten in einem NDR-Podcast. 

Die Berliner CDU nannte die Infiziertenzahlen in Berliner Pflegeheimen „bestürzend“ und forderte am Mittwoch, nach Vorbild des Saarlands unverzüglich alle Bewohner und Pfleger in Berliner Heimen auf Covid-19 zu testen. „Der Senat muss schnell und konsequent handeln, damit wir Katastrophen wie in viel zu vielen Altersheimen anderer Bundesländern verhindern“, sagte Tim Zeelen, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. 

Die Ankündigung des Senats, „repräsentativ“ in Heimen testen zu wollen, sei zu vage. Es sei unklar, nach welchen Kriterien der Senat die Heime aussuchen wolle, auch ein Fahrplan dafür stehe noch nicht, so Zeelen.

Im Saarland hatte die Saarländische Pflegegesellschaft eine Testung aller Pflegeheim-Bewohner und -Mitarbeiter gefordert. Die Landesregierung hatte das Ansinnen zunächst zurückgewiesen, dann aber Anfang April bestätigt, dass es die breitangelegten Tests doch geben soll. 

In Berlin gilt bisher im Gegensatz zu anderen Bundesländern kein generelles Besuchsverbot für Pflegeheime. Der Senat schreibt auch in der am Mittwoch neu erlassenen, inzwischen vierten Verordnung in der Corona-Krise lediglich vor, dass „Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen einmal am Tag von einer Person für eine Stunde Besuch empfangen dürfen, allerdings nicht von Kindern unter 16 Jahren oder von Menschen mit Atemwegsinfektionen“. 

Die meisten Einrichtungen haben allerdings aus freien Stücken ein Besuchsverbot erlassen oder die Besuchsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Sie sind laut Verordnung dazu berechtigt, müssen das Besuchsverbot aber beim Amt melden. 

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass die Berliner Pflegeheime schlecht mit Schutzausrüstung wie Masken oder Kitteln ausgestattet sind. Auch an den Krankenhäusern seien die Mittel eng und würden rationiert, an den Pflegeheimen aber sei die Versorgung noch schlechter. Das erhöhe die Gefahr einer Überlastung des Gesundheitssystems - erkrankte ältere Menschen müssten schließlich überdurchschnittlich häufig auf Intensivstationen versorgt werden.