Zahl erneut gestiegen: Mehr als 400 gewaltbereite Salafisten leben in Berlin

Die Zahl der gewaltorientieren Salafisten in Berlin ist nach Einschätzung der Behörden weiter gestiegen. Bis Ende Juni waren 410 bekannt, nach 380 im Jahr 2016 und 200 vor vier Jahren. Das geht aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber hervor. Hinzu kommen Anhänger anderer islamistischer Strömungen. Im vergangenen Jahr zählte der Verfassungsschutz noch 25 weitere gewaltorientierte Islamisten.

Auch die Zahl der Salafisten insgesamt ist kontinuierlich gewachsen, von 400 im Jahr 2012 auf zuletzt 880. Der Verfassungsschutz hält den Salafismus - eine besonders konservative Ausprägung des Islam - für den wichtigsten Nährboden des Terrorismus. Er gilt als die am schnellsten wachsende islamistische Strömung in Deutschland.

Seit 2012 sind den Behörden außerdem mehr als 120 Islamisten aufgefallen, die von der Hauptstadt in Richtung Syrien oder Irak gereist sind, um dort zu kämpfen oder den Dschihad (Heiliger Krieg) zu unterstützen. Das geht aus einer weiteren bereits am Samstag veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage Schreibers hervor.

60 Islamisten nach Deutschland zurückgekehrt

Die Zahl ist aber rückläufig: Der Höhepunkt lag im Jahr 2013 bei 36 ausgereisten Personen. In diesem Jahr waren es bislang nur 5. Knapp 60 Islamisten sind den Angaben zufolge nach Deutschland zurückgekehrt, wie die Innenverwaltung in einer dritten Antwort mitteilte.

Schreiber forderte, das Problem von zwei Seiten anzugehen: „Das Wichtige ist, dass wir das Netzwerk aus Prävention und Repression ausbauen.“ So solle etwa ein Landesprogramm zur Deradikalisierung gestärkt werden. Die Polizei vor Ort müsse darüber hinaus wissen, wo sogenannte islamistische Gefährder wohnen. Da immer mehr Terrorverdächtige im Gefängnis seien, sollte auch dort genau hingeschaut werden, meinte Schreiber. „Wir müssen aufpassen - in Berlin, aber auch bundesweit -, dass sich keine terroristischen Zellen in den Haftzellen bilden.“ (dpa)