Der angebrannte Gewerbemüll wurde noch nicht entsorgt.
Foto: Berliner Zeitung/Klaus Oberst

BerlinMüll-Sünder, die alte Schränke, Matratzen, Fahrräder oder Farbeimer auf die Straße stellen, gehören in Berlin mittlerweile zum Alltag. Auch die illegale Müllentsorgung in der Spree und anderen Hauptstadt-Gewässern kommt nahezu täglich vor. Jetzt hat die Berliner Polizei besonders dreiste Müll-Sünder auf frischer Tat ertappt: Die Männer hatten ihre Hinterlassenschaften, darunter auch einen kompletten Herd, einfach in Brand gesteckt. Passiert in Hohenschönhausen.

Gegen 23.15 Uhr alarmierte ein bislang unbekannter Anrufer in der Nacht zu Donnerstag die Polizei und meldete, dass es an der Wollenberger Straße brennen würde. Die Einsatzleitung schickte einen Streifenwagen los, auch die Rettungskräfte der Feuerwehr wurde alarmiert. Auf einem brachliegenden Privatgelände in einem verwinkelten Gewerbegebiet standen zwei Männer neben einer lichterloh brennenden Badewanne, die laut Polizei „mit Gewerbeabfällen gefüllt war“. Daneben stand nach Angaben eines Augenzeugen zudem einen Elektroherd, der ebenfalls in Flammen stand.

Müllsündern droht Geldbuße bis zu 100.000 Euro

Als die Einsatzkräfte zwei daneben stehende Männer ansprachen was hier los sei, versuchten sie, die Feuerstelle als Lagerfeuer zu verkaufen, an dem sie sich wärmen würden. Doch die Polizisten rochen im wahrsten Sinne des Wortes Lunte. Denn offenbar hatten die Männer mehrere Dinge in Brand gesetzt, die man nicht unentgeltlich bei der BSR oder anderen Entsorgern abgeben darf.

Nachdem die Feuerwehrmänner das Feuer gelöscht hatten, wurde der für den Brand verantwortliche Mann angezeigt. Eine Polizeisprecherin sagte, dass nun wegen „Verstoßes gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz wegen des Verbrennens von Gewerbeabfällen“ ermittelt werden. So sperrig diese Ordnungswidrigkeitsanzeige klingen mag, so deutlich ist auch die Höhe der möglichen Strafe: Nach Paragraf 69 kann bei vorsätzlichem oder fahrlässigen Verstoßen gegen die strengen Müllgesetze eine Geldbuße von bis zu 100.000 Euro verhängt werden.

Gefahr für Mensch und Umwelt

Erst Ende Oktober hatte der Senat einen neuen Bußgeldkatalog verabschiedet. Demnach werden für einen weggeworfenen Einwegbecher 55 Euro Strafe fällig, für Sperrmüll wie Matratzen, Kinderwagen oder Stühle zwischen 150 und 500 Euro. Eine achtlos weggeschnippte Zigarettenkippe schlägt mit 120 Euro zu Buche.

Dass zahllose Menschen ihren Schrott und ihre Abfälle trotz der drohenden Bußgelder rücksichtslos und illegal entsorgen, passiert in Berlin immer wieder. Daher warnt die BSR: „Illegale Müllplätze am Wegrand verschandeln nicht nur den Kiez. Sie können auch gefährlich für Mensch und Umwelt werden, wenn zum Beispiel Schadstoffe aus alten Elektrogeräten austreten.“  

Illegaler Abfall in Berliner Gewässern

Das ist vor allem bei der Entsorgung von illegalem Abfall nahe bei oder direkt in Gewässern ein großes Problem. Denn zum einen werden diese Müllkippen oftmals lange nicht entdeckt, zum anderen rosten Elektrogeräte im Wasser – Schadstoffe werden somit schneller freigesetzt. Rund 6,7 Prozent des Berliner Stadtgebiets bestehen aus Flüssen, Seen und Kanälen, eine Fläche, die so groß ist wie die Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg zusammen.

Die Müllschiffe der Senatsverwaltung haben „zwischen März 2018 und Februar 2019 über 730 Kubikmeter Müll nur von der Oberfläche der Berliner Gewässer gefischt“, heißt es bei dem unter anderem durch die Stiftung Naturschutz Berlin sowie die BSR geförderten Projekt „Alles im Fluss“. 730 Kubikmeter Müll entsprechen in etwa dem Inhalt von 14 Güterwaggons. Und als „Müllsäule mit einem Quadratmeter Grundfläche ergäbe diese Menge das 1,9-fache des Fernsehturms“, so die Macher von „Alles im Fluss“.

Illegale Müllkippen melden

Sollte man „illegale Ablagerungen und Verschmutzungen im öffentlichen Raum“ entdecken, rät die BSR, sich beim Ordnungsamt zu melden. Wenn sich kein Verursacher finden lässt, beseitigt die BSR illegal abgelagerten Sperrmüll und Elektroschrott auf Anforderung des Amtes.    

Und das nach BSR-Angaben „leider viel zu oft: Jedes Jahr entfernen wir im Schnitt 30.000 Kubikmeter dieser Abfälle“. Wer sich im aktuellen Fall nun darum kümmert, dass der angebrannte Gewerbeschrott aus der Wollenberger Straße entsorgt wird, ist noch unklar.