Nach der großen Silvesterparty am Brandenburger Tor beginnen die Aufräumarbeiten.
Christophe Gateau/dpa

BerlinNach der Party kommt das Erwachen - und zwar im Jahr 2020. Mit großem Feuerwerk und viel Knallerei hat die Hauptstadt den Jahreswechsel gefeiert. Hunderttausende Gäste kamen nach Angaben der Veranstalter zu Deutschlands größter Silvesterparty vor dem Brandenburger Tor. Neben der großen Sause im Herzen der Stadt standen in diesem Jahr auch die neu eingerichteten Böller-Verbotszonen am Alexanderplatz und in Schöneberg rund um die Pallasstraße im Fokus der Polizei. Polizeisprecher Thilo Cablitz zog auch nach Mitternacht eine positive Bilanz für die beiden Bereiche. „Unsere Maßnahmen haben da gegriffen.“ Auch auf der Autobahn 100 warfen Unbekannte mit Böllern. „Zwischen Oberlandstraße und Tempelhofer Damm befinden sich Personen an/auf der Autobahn“, twitterte die Polizei am Abend. 

Das Berliner Unfallkrankenhaus hat in der Silvesternacht 15 Menschen mit schweren Verletzungen durch Böller oder Raketen behandelt. Dazu zählten in mehreren Fällen schwerste Verbrennungen, wie eine Kliniksprecherin am Neujahrsmorgen sagte. Mehrfach waren durch Explosionen Finger abgetrennt worden, in einem Fall die ganze Hand. Unter den Schwerverletzten waren auch vier Kinder unter zehn Jahren. Alle Operationssäle des Unfallkrankenhauses waren den Angaben zufolge belegt. Insgesamt 13 der 15 Schwerverletzten wurden noch in der Nacht operiert. Vor allem die Hand-, die plastischen und die Unfallchirurgen seien rund um die Uhr beschäftigt gewesen, so die Sprecherin. Das Krankenhaus erwarte an Neujahr noch einmal etwa die gleiche Anzahl an Verletzten. Es sei zu befürchten, dass viele noch nicht gezündete Feuerwerkskörper eingesammelt werden und dann explodieren. Das Risiko sei in diesem Jahr höher als sonst, weil es nicht geregnet habe, warnte die Sprecherin. Außerdem sei damit zu rechnen, dass viele, die in der Nacht verletzt wurden, erst im Lauf des Tages in die Klinik kämen.

In Neukölln schossen junge Männer schwere Böller mit einer Steinschleuder quer über die befahrene Sonnenallee. Andere feuerten mit Schreckschusspistolen in die Luft. Am Alexanderplatz schoss ein Mann mit einer Schreckschusswaffe auf Polizisten. Zuerst habe der Mann mehrfach in die Luft geschossen, teilte die Polizei via Twitter mit. Als die Polizeibeamten sich ihm daraufhin näherten, habe er mehrfach auf die Einsatzkräfte geschossen. Er wurde festgenommen. Ähnlich Vorfälle mit Schreckschusswaffen meldete die Polizei auch aus Charlottenburg und Schöneberg. Wie die Polizei auf Twitter mitteilte, wurde eine Frau gegen 19.00 Uhr am U-Bahnhof Alexanderplatz sexuell belästigt. Ein 19-jähriger Verdächtiger wurde vom Sicherheitspersonal der BVG festgehalten und der Polizei übergeben. Am Alexanderplatz und auf der Festmeile vor dem Brandenburger Tor wurden laut der Polizei in der Nacht vier Frauen belästigt. In allen Fällen konnte jeweils ein Verdächtiger festgenommen werden.

Mehr als 1500 Einsätze der Berliner Feuerwehr in der Neujahrsnacht

Die Berliner Feuerwehr ist in der Silvesternacht 1523 Mal im Einsatz gewesen. Das war deutlich häufiger als im Jahr zuvor mit 1385 Einsätzen. Zwischen 19.00 und 6.00 Uhr wurden die Feuerwehrleute allein 617 Mal zu Bränden gerufen, wie die Feuerwehr am Neujahrsmorgen auf Twitter mitteilte. Auch diese Zahl lag deutlich höher als in der Silvesternacht 2018/19 mit 432 Bränden. Rettungskräfte halfen in 940 Fällen, 894 waren es im Jahr davor. Hinzu kamen 100 sonstige Einsätze. Laut Feuerwehr gab es 24 Übergriffe auf Einsatzkräfte, das waren weniger als Silvester vor einem Jahr, als 49 Übergriffe gezählt wurden.

In Mariendorf wurden laut Polizei außerdem Rettungsdienstmitarbeiter mit Böllern beworfen. Zuvor waren bereits Angriffe auf Feuerwehrleute in Kreuzberg gemeldet worden. Hier wurde auch ein Bus der BVG beschossen - eine Frontscheibe wurde dabei demoliert. Im Wedding sprühten mehrere Menschen Reizgas auf der Straße, in Neukölln wurden Mülltonnen und brennende Autoreifen auf die Straße geworfen. Die ganze Nacht über wurde die Polizei in der Hauptstadt zu etlichen Einsätzen wegen Böllerwürfen, Körperverletzungen und anderen Straftaten gerufen.