Heute bestellt, morgen geliefert. Wer mit dieser Hoffnung am Mittwoch beim Online-Modehändler Zalando gekauft hat, wird heute mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. Zumindest dann, wenn das Paket in Zalandos Logistikzentrum Brieselang gepackt werden sollte. Denn dort wurde am Mittwochnachmittag gestreikt.

Die Gewerkschaft Verdi hatte die Spätschicht dazu aufgerufen, nachdem das Unternehmen in den laufenden Tarifverhandlungen ein Angebot unterbreitet hatte, das deutlich unter den Forderungen lag. „Das Angebot ist unterirdisch“, sagte Verdi-Handelsexpertin Erika Ritter gestern der Berliner Zeitung.

Verdi fordert für die rund 1250 Beschäftigten in dem Auslieferungslager vor allem die Bezahlung nach dem Einzelhandelstarif für Brandenburg. Zalando verkaufe seine Waren an Endkunden und stehe in direkter Konkurrenz zum Textilhandel, deshalb sollten die Mitarbeiter des Onlinehändlers auch entsprechend bezahlt werden, so die Verdi-Argumentation. „Es geht um Wettbewerbsgleichheit“, sagte Ritter.

Weniger Urlaub und Zuschläge

Und tatsächlich ist Zalando mit einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro längst kein kleines Unternehmen mehr. Aber dennoch: Während den Mitarbeitern nach Einzelhandelstarif mindestens 11,71 Euro je Stunde oder monatlich wenigstens 1932 Euro sicher wären, so bekommen die Beschäftigten im Brieselanger Lager nur 10,12 Euro die Stunde.

Zudem sollen sie sich mit zwei Tagen weniger Urlaub, einem Drittel der Urlaubs- und Weihnachtszuwendung sowie deutlich geringeren Nacht- oder Feiertagszuschlägen begnügen. Allein der geringere Stundenlohn summiert sich im Jahr in der niedrigsten Tarifgruppe auf über 3500 Euro.

Geht es nach dem Willen von Zalando, wird das auch so bleiben. Denn laut Angebot will man an der jetzigen Entlohnung ebenso festhalten wie an der 40-Stunden-Woche. Dagegen trat gestern ein Teil der Spätschicht in den Streik. Laut Verdi beteiligten sich etwa 200 Mitarbeiter der insgesamt 400-köpfigen Spätschichtbesetzung an dem Ausstand. Die Verhandlungen mit Zalando werden am 7. Juli fortgesetzt. Bis dahin sind aber wohl noch einige Aktionen zu erwarten. „Das heute war nur der Anfang“, so Ritter.