Dass ein Kaufhaus weder Rolltreppen noch Schaufenster braucht, hat hierzulande vor allem Zalando bewiesen. Längst genügt ein Handy, um Mode kaufen zu können. Innerhalb von nur neun Jahren wuchs das einst als Online-Schuhversand gestartete Unternehmen zur führenden Shopping-Plattform für Mode in Europa. Jetzt will Zalando einen weiteren Teil des klassischen Kaufhaus-Sortiments in seine virtuellen Regale legen: Beauty-Produkte.

„Für uns ist das der nächste logische Schritt“, sagt Zalandos Co-Chef Rubin Ritter. „Weil es die Wünsche unserer Kunden widerspiegelt.“ Im nächsten Frühjahr soll es losgehen. Dann will man die Chancen des Onlinehandels in diesem Bereich nutzen und das eigene Modesortiment ergänzen.

Weitere Märkte sollen folgen

Tatsächlich geht es um so ziemlich alles, was von Lippenstift über die Haarspange bis zur Haarspülung denkbar ist. Kosmetik, Hautpflege und Parfüms sollen in großer Breite angeboten werden – von günstig bis sehr teuer. Dabei will Zalando aber ausschließlich als Händler auftreten. Eigenmarken, wie es sie im Bekleidungssortiment gibt, soll es im Kosmetikbereich nicht geben.

Aber weil es eben so neu ist, wagt sich Zalando mit dem Sortiment sogar in den stationären Bereich. In Berlin soll ein eigener Zalando-Beautyshop eröffnet werden. Wo genau, sei noch nicht klar, hieß es am Mittwoch bei Zalando. In jedem Fall solle es aber ein dauerhafter Laden werden, wie auch das Beauty-Geschäft von Dauer sein soll. Zunächst beginne man zwar in Deutschland. Nach einer Anlaufphase sollen aber weitere Märkte folgen.

Chance für weiteres Wachstum

Der Start hierzulande macht Sinn. Denn Deutschland ist zumindest in Europa der Leitmarkt in diesem Geschäft. Im vergangenen Jahr gab der Bundesbürger im Schnitt 215 Euro für Kosmetikprodukte aus und bescherte der Branche hierzulande einen Gesamtumsatz von rund 13,6 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 200 Millionen Euro weniger. Allein Haarshampoo und Haarcolorationen lassen sich die Deutschen jährlich zusammen etwa drei Milliarden Euro kosten. Vor allem bei Produkten der sogenannten dekorativen Kosmetik verzeichnet die Branche jährlich beträchtliche Zuwächse.

Europaweit werden mit Kosmetika inzwischen jährlich 80 Milliarden Euro umgesetzt, aber eben erst fünf Prozent online. Darin wittert Zalando also die Chance für weiteres Wachstum, wobei es bislang schon recht gut lief. Denn am Mittwoch hatte das Unternehmen nicht nur die Sortimentserweiterung, sondern auch die vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal dieses Jahres bekanntgegeben. Demnach stieg der Umsatz von Juli bis September um fast 30 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro.

5.700 Zalando-Beschäftigte bereits in Berlin

Dass der Aktienkurs daraufhin dennoch fiel, lag am Quartalsergebnis. Da enttäuschte das Unternehmen die Erwartungen. Denn der bereinigte Vorsteuergewinn wird wohl zwischen minus fünf und plus fünf Millionen Euro liegen. Nimmt man das gesamte bisherige Jahr zusammen, wird der voraussichtliche Gewinn somit nur noch rund 100 Millionen Euro betragen. Nach 121 Millionen Euro, die Zalando in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres als Gewinn auswies.

In der Zalando-Chefetage sieht man das indes gelassen. „Wir setzen unsere Wachstumsstrategie mit Hochdruck um und gewinnen dabei weiter Marktanteile“, sagt Rubin Ritter und meint Investitionen in Technologie- und Logistikinfrastruktur und damit in weiteres Wachstum.

Eine Entwicklung übrigens, die längst auch in der Stadt unübersehbar. Schon jetzt arbeiten 5.700 der insgesamt mehr als 13.000 Zalando-Beschäftigten in Berlin. Weitere Jobs sollen folgen. Zalando braucht Büros. Zu Monatsbeginn erst wurde der Mietvertrag für ein Bauprojekt namens Up in Friedrichshain unterzeichnet. Dabei handelt es sich um das ehemalige Kaufhaus am Ostbahnhof, das derzeit von dem österreichischen Immobilienentwickler Signa umgebaut wird. Rolltreppen und Schaufenstern wird es danach dort nicht mehr geben.