Berlin - Sein Privatleben hält er gerne privat. „Homestories mache ich nicht“, sagt Christopher Lauer, Abgeordneter der Piratenpartei. Aber nun hat der 27-Jährige doch ausführlich über etwas sehr Persönliches gesprochen. In der ARD-Dokumentation „Piraten in der Politik“ und auf seiner Internetseite erzählt er davon, dass er das ADH-Syndrom hat, das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom. Und dass er deswegen Tabletten nimmt. „Es ist mir wichtig, dass hier ein gesellschaftliches Umdenken stattfindet“, begründet er seine Offenheit. Menschen mit ADHS begegneten viele Vorurteile.

Ein Vorurteil ist etwa, dass nur Kinder ADHS haben. Zappelphilipp-Syndrom wird es daher oft genannt. Die Störung kommt aber auch bei ein bis zwei Prozent der Erwachsenen vor, wie im vorigen Jahr beim 3. Internationalen ADHS-Kongress in Berlin festgestellt wurde. Bei Lauer wurde die Diagnose Mitte 2011 gestellt. „Ich habe ADHS schon mein Leben lang“, sagt er. Doch erst nachdem ihm ein anderer Pirat riet, sich testen zu lassen, ging er zum Neurologen.

Hauptmerkmale von ADHS sind impulsives Verhalten, Aufmerksamkeitsschwäche und Hyperaktivität. „Bei mir macht sich das beispielsweise dadurch bemerkbar, dass ich mich in vielen Situationen leicht aufrege“, sagt Lauer. Oder, dass er in der U-Bahn die Gespräche um sich herum nicht ausblenden könne.

Seit der Diagnose nimmt Lauer Methylphenidat ein, einen Wirkstoff, der auch im bekannten Medikament Ritalin enthalten ist. Dadurch könne er sich besser auf eine Sache fokussieren, sich gegenüber äußeren Reizen abgrenzen und sei gelassener. „Das bedeutet aber nicht, dass ich ohne Medikament nicht mehr klarkommen würde.“ ADHS sei keine furchtbare Krankheit, betont Lauer. Die Diagnose habe ihm geholfen, sein Leben besser zu verstehen. Betroffene hätten viele Nachteile. ADHS-ler könnten auch recht anstrengend sein. Doch es gebe auch Vorteile. So könne er schon mal drei Sachen gleichzeitig denken. Das „nichtlineare, asynchrone Denken“ von ADHS-lern sei durchaus eine Bereicherung für die Welt des „linearen Denkens“.

Er wolle andere ADHS-Betroffene dazu bewegen, „mutig, selbstbewusst und offen mit diesem Zustand umzugehen“, so Lauer. „Ich bin wegen, nicht trotz ADHS so wie ich bin.“ Frei nach Wowereits Coming-out-Spruch schreibt er auf seiner Internetseite: „Ich habe ADHS – und das ist auch gut so.“