Der Große Tiergarten wird eingezäunt und zu einem Hochsicherheitstrakt für Großveranstaltungen wie Fanmeilen, Silvesterpartys und Berlin-Marathon. Mehr als sechs Kilometer lang und 2,10 Meter hoch wird die neue Zaunanlage sein, die der Bezirk Mitte entlang von Tiergarten- und Ebertstraße, John-Foster-Dulles-Allee, Spreeweg und Hofjägerallee installieren will. „Ein dauerhafter Zaun bietet ein anderes Maß an Sicherheit als die provisorischen Zäune, die jetzt bei Großveranstaltungen aufgestellt werden“, sagte am Montag Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU).

Der neue Zaun ist Teil eines Sicherheitskonzepts für Veranstaltungen zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule, das der Bezirk erarbeitet und bereits mit dem Landeskriminalamt, Rettungsdiensten und Sicherheitsbehörden abgestimmt hat.

Dabei sind auch Erfahrungen aus anderen Städten berücksichtigt worden – zum Beispiel von der Love-Parade-Katastrophe 2010 in Duisburg, bei der 21 Menschen ums Leben kamen. Ausgewertet wurden auch die Erkenntnisse des Terroranschlags auf den Boston-Marathon in diesem Jahr.

Wie Spallek betont, bleibe der Große Tiergarten außerhalb von Veranstaltungen über die normalen Wege frei zugänglich. So werde auch verhindert, dass Besucher durch das Unterholz gehen und die Bodenpflanzen zertreten. Allerdings sind die Zugänge mit Rolltoren ausgestattet. Diese können geschlossen werden, wenn die Partymeile überfüllt ist.

Bei Veranstaltungen mit besonderen Sicherheitsanforderungen gibt es an den Hauptzugängen durch Sicherheitskräfte auch Personenkontrollen, wie es seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gängige Praxis ist. Auf Großveranstaltungen sind zum Beispiel Glasflaschen, Waffen jeglicher Art und Feuerwerkskörper verboten. „Sicherheit ist nicht verhandelbar“, so Spallek. Ob der Zaun eine historische Anmutung haben wird, sei nicht entschieden.

Sein Zaunkonzept hat der Bezirk in der vergangenen Woche der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgestellt. „Sicherheitsfragen sehen wir als sehr wichtig an, von dem Zaun sind wir aber relativ überrascht“, sagt Sprecherin Petra Rohland. Man sei skeptisch.

Die weiträumige Einzäunung gehörte aber von Anfang an zu den Überlegungen Berlins, die Sicherheit der Partymeile zu erhöhen. „Wir haben sonst keine Chance, bei kurzfristigen Terrorwarnungen wie am vergangenen Wochenende zu reagieren. Wir müssten die Veranstaltung absagen“, sagt Harald Büttner, Chef des Grünflächenamts und für die Partymeile verantwortlich.

Zudem ist ein zweiter, 1,10 Meter hoher Sicherheitszaun entlang Straße des 17. Juni vorgesehen, der auf beiden Seiten hinter den Hecken aufgestellt wird. Der alte Zaun kommt weg, der neue ist umklappbar. Bricht auf der Partymeile eine Panik aus und Besucher wollen in den Tiergarten fliehen, gibt der Zaun nach und stellt kein Hindernis dar.

Das Sicherheitskonzept umfasst weitere Maßnahmen: So werden Rettungswege verbreitert und für Autos befahrbar gemacht. Unterirdisch werden Aggregate installiert, die im Notfall mindestens vier Stunden für Strom sorgen sollen. Außer der Straße des 17. Juni werden die Hauptrettungswege mit einer Notbeleuchtung ausgestattet. Auch ein Lautsprechersystem und eine Kameraüberwachung sind vorgesehen.

Bislang sind für den Ausbau der Partymeile etwa mit unterirdischen Wasser- und Stromanschlüssen 14 Millionen Euro eingeplant. Der Riesenzaun ist dabei nicht berücksichtigt. Laut Baustadtrat Spallek wird die Partymeile nach einer Prioritätenliste ausgebaut. Möglichst viel soll bis zur Fußball-WM im kommenden Jahr fertig sein, wenn es im Tiergarten wieder eine Fanmeile gibt.