Fredersdorf - Es ist ein Hilferuf, damit sich die Verhältnisse endlich ändern. Der Fredersdorfer Pendler Hans-Peter Küllmer sammelt im Internet Unterschriften für eine Petition, die mehr Zugfahrten auf der S-Bahn-Linie S5 nach Strausberg Nord zum Ziel hat.

Auch die Gemeindevertretung von Fredersdorf-Vogelsdorf fordert, dass die S-Bahnen im Berufsverkehr im Zehn-Minuten-Takt verkehren. Doch es sieht so aus, als ob die Bewohner des östlichen Berliner Umlands noch mehr Druck machen müssen. Zwar sind Verbesserungen denkbar – doch sie werden noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Zusätzliche Fahrzeuge erforderlich

„Ein dichterer Takt ist aktuell und voraussichtlich bis Mitte der 2020er-Jahre nicht möglich“, sagte Elke Krokowski, Sprecherin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB). Der VBB bestellt S-Bahn- und Regionalzugfahrten.

„Einerseits wären zusätzliche Fahrzeuge erforderlich, die an anderer Stelle abgezogen und damit das dortige Verkehrsangebot reduzieren würden. Zum anderen ist die Strecke ab Hoppegarten in Richtung Osten eingleisig und verfügt nicht über ausreichende Kreuzungsmöglichkeiten“, teilte Krokowski weiter mit.

VBB empfiehlt Zehn-Minuten-Takt

Es müssten also sowohl S-Bahnen beschafft als Bahnanlagen ausgebaut werden. „Beides ist nicht kurzfristig realisierbar“, so der VBB. Immerhin: Die Beobachtung der S5-Nutzer, dass es morgens in den Zügen sehr voll ist, treffen zu, kann der Verkehrsverbund bestätigen. „Die derzeit vorliegenden Nachfragedaten von 2012 zeigen eine hohe Auslastung für die Spitzenstunde bereits ab Neuenhagen/Fredersdorf in Richtung Berlin. Neuere Daten liegen nicht vor, es ist aber davon auszugehen, dass sich die Nachfrage zwischenzeitlich erhöht hat.“

Für das Projekt „ÖPNV-Konzept 2030“ wurden mittel- bis langfristig weitere Nachfragezuwächse auf der Strecke ermittelt. „Im Ergebnis des Projekts wird eine Ausweitung auf einen Zehn-Minuten-Takt im Streckenabschnitt bis Fredersdorf während der Hauptverkehrszeit empfohlen“, sagte die VBB-Sprecherin.

Immer mehr Fahrgäste unterwegs

Aus dem aktuellen Entwurf des neuen Brandenburger Landesnahverkehrsplans gehe hervor, dass das Land diese Taktverdichtung „perspektivisch anstrebt“. In welchem Umfang die Bahnanlagen ausgebaut werden müssten, soll nun im Rahmen des Folgeprojekts i2030 geprüft und bewertet werden: „Darüber hinaus wären die erforderlichen Fahrzeuge zu beschaffen.“

Das hört sich nicht danach an, als ob bereits belastbare Ideen oder gar Konzepte vorliegen. Zudem ist die S5 östlich von Berlin bei weitem nicht die einzige Bahnstrecke in der Hauptstadt-Region, auf der immer mehr Fahrgäste unterwegs sind.

Brandenburg ist Europameister

Was den Verkehr anbelangt, nimmt Brandenburg im bundesweiten Vergleich eine Spitzenstellung ein, sagt Hans Leister vom Fahrgastverband Pro Bahn. „Das Land Brandenburg ist Deutscher Pendel-Meister, vielleicht sogar Europameister“, teilte er in seiner Stellungnahme zum Entwurf des Landesnahverkehrsplans mit. „278.000 Menschen, das sind 29,2 Prozent aller Beschäftigten, die in Brandenburg wohnen, pendeln in andere Bundesländer.“

Wachstum und Wohlstand in Brandenburg beruhten zu einem großen Teil darauf, dass die Bürger ihr Auskommen in anderen Bundesländern verdienen, so der Pro-Bahn-Sprecher. Darauf müsse das Land endlich besser reagieren. Der Entwurf des Landesnahverkehrsplans 2018 lasse wenig Gutes erhoffen. „Die Verkehrsangebote für 2022 und 2030 lassen nicht erkennen, dass die Sitzplatzkapazität Schritt halten wird mit den steigenden Anforderungen“, warnte Leister. „Die Zahl der Linien und Züge wird nur an wenigen Stellen ausgeweitet.“