Berlin - Zehntausende Menschen haben vor dem Brandenburger Tor in Berlin bei einer Kundgebung der Gewerkschaft IG Metall für Fairness beim Umbau der Wirtschaft demonstriert. Sie fordern, dass Themen wie Energie- und Verkehrswende sowie die Digitalisierung angegangen und dabei aber Arbeitsplätze gesichert werden. Eine Gewerkschaftssprecherin sprach am Nachmittag bei der Kundgebung unter dem Motto „FairWandel” von mehr als 50 000 Teilnehmern aus ganz Deutschland, die Polizei nannte „mehrere Zehntausend” Teilnehmer.

Viele Gewerkschaftler trugen rote T-Shirts und Mützen mit Slogans wie „Stillstand hat noch nie etwas bewegt” oder „Ohne Plan? Ohne uns!”. Die Digitalisierung und der Klimawandel seien große Herausforderungen für die Firmen und die Zukunft der Arbeitsplätze, sagte der erste IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann. Jeder zweite Arbeitgeber habe jedoch „heute keine Idee, wie er seinen Betrieb auf die Zukunft vorbereitet.” Die Gewerkschaft fordert von den Arbeitgebern „qualifizieren statt entlassen”.

Auch Sozial- und Umweltverbände wie der Naturschutzbund Deutschland, VdK und der Evangelische Bundesverband Diakonie Deutschland beteiligten sich an der Demonstration. „Wir kämpfen gemeinsam für eine Grundrente für alle”, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele. Die sozialpolitische Sprecherin der SPD, Kerstin Tack, forderte am Samstag „einen starken Sozialstaat, der Schutz und Chancen im Wandel ermöglicht.” Die Digitalisierung dürfe nicht zu einem Arbeitsplatzabbau führen, sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. Wenn Menschen „auf der Strecke bleiben”, drohe eine Spaltung der Gesellschaft.

Auch deutsche Popmusiker wie Clueso und Joris unterstützen die Forderungen der Gewerkschaft. Am Mittag spielte die Rockband Silly mit Sängerin Julia Neigel auf der Bühne am Brandenburger Tor. „Veränderung kann eine große Chance sein – wenn wir sie mitgestalten”, teilte die Band im Internet mit. Am besten sei es, wenn sich viele zu einer Gemeinschaft zusammenfinden, „dann kann man mehr erreichen.”

Bereits am Vormittag zog ein Demonstrationszug der IG Metall-Jugend vom Roten Rathaus in Richtung Brandenburger Tor. Die zweite IG Metall-Vorsitzende Christiane Benner riss am Boulevard Unter den Linden eine symbolische Mauer ein, für den Wunsch nach einem Durchbruch bei der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland. Die IG Metall-Jugend stehe im gegenseitigen Austausch mit der Schüler-Bewegung Fridays for future. Die Gewerkschaftsjugend werde am 20. September den weltweiten Streiktag der Schüler unterstützen.

Nach Angaben der Berliner Polizei verlief die Demonstration friedlich. „Es gab keine besonderen Vorfälle”. (dpa/bb)