Berlin - In den Fenstern des Foyers hängen große Plakate. „Kopf hoch, das Weltall hat wieder geöffnet!“ steht dort, und  der Hinweis, dass ab dem 25. August der All-Tag wieder losgeht. Auf den Plakaten sind die Köpfe  von Kindern, Erwachsenen, Senioren und einer dunkelhäutigen Frau abgebildet – eine klare Ansage, dass sich das Programm im wiedereröffneten Zeiss-Großplanetarium an alle Berliner und ihre Gäste richtet. Neugierige  Anwohner schauen jetzt häufiger durch die Scheiben ins Foyer. Ab Donnerstag können sie ins Haus gehen.

Umfassende Modernisierung der Kuppel und Innenräume

Das Planetarium an der Prenzlauer Allee eröffnet nach mehr als zwei Jahren Umbau wieder. Seit April 2014 wurde die gesamte Medientechnik erneuert, Inventar ausgetauscht. Das war dringend nötig, denn seit der Eröffnung im Jahr 1987 gab es keine umfassende Modernisierung mehr, alles war veraltet. Am Ende mussten die Mitarbeiter defekte Teile selber nachbauen, Ersatzteile gab es längst nicht mehr.

Das Planetarium ist jetzt das modernste Wissenschaftstheater in Europa, mit der neuesten digitalen Technik, die es derzeit auf dem Weltmarkt gibt. Und mit einem Hightech-Kuppelsaal, über dem sich die europaweit größte Projektionsfläche von 830 Quadratmetern wölbt. Rundum-Videobilder sehen die Besucher dort, vor allem natürlich den Himmel mit seinen 9200 Sternen, die man von der Erde aus sehen kann, sowie die Planeten, die Sonne und den Mond. Jeder andere Ort der Welt und auch des Alls ist als Standort wählbar. Die Besucher sitzen in komfortablen Stühlen, die Lehne lässt sich nach hinten kippen, 14 Meter ragt die Kuppel in die Höhe. 307 Sitzplätze hat der Saal.

Alter Sternprojektor bekommt Ehrenplatz im Foyer

In der Mitte des Saals steht das wichtigste und teuerste Gerät des Hauses, der  Sternprojektor vom Typ Zeiss Universarium, Modell IX. Er wurde speziell für das Großplanetarium  angepasst. Acht Planetenprojektoren gehören dazu, um die Bewegung der Wandelsterne am Firmament zu zeigen. Neu ist auch ein mehrkanaliges, digitales Projektionssystem mit zehn Zeiss-Videoprojektionen, die ein kuppelfüllendes Vollbild erzeugen. Fast 30 Jahre lang zeigte der  Sternprojektor Cosmorama von Zeiss die Bilder aus dem All, unterstützt von Diaprojektoren, die  beim Wechsel der Bilder laut klackerten. Das ausrangierte Gerät hat jetzt einen Ehrenplatz im Foyer, dort werden Besucher über die Geschichte des früheren DDR-Repräsentationsbaus informiert.

Mehr als 13 Millionen Euro hat der komplette Umbau gekostet, den Großteil hat das Land Berlin finanziert. Das Zeiss-Großplanetarium gehört jetzt zur Berliner Stiftung Planetarium Berlin, zusammen mit der Archenhold-Sternwarte in Treptow und der Wilhelm-Foerster-Sternwarte am Insulaner in Schöneberg.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagt, durch die Zusammenführung würden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Astronomie gebündelt. „Nach über 25 Jahren wird eine hochmoderne berlinweit agierende Institution der Astronomie geschaffen, die über die Berliner Bildungslandschaft hinaus präsent sein wird.“

Trotzdem soll das alte Flair erhalten bleiben

Von außen sind die umfangreichen Erneuerungen im Planetarium nicht zu erkennen, die verzinnte Kuppel hat Patina angesetzt, unverändert wirken die Fassade und das Foyer mit  seinem Marmorboden. Ganz bewusst hat der Direktor des Planetariums, Tim Florian Horn, das so entschieden. „Das alte Flair soll erhalten bleiben“, sagt der 34-jährige Astronom, der in Planetarien in Kiel und Hamburg, sowie drei Jahre lang im volldigitalisierten Morrison-Planetarium in San Francisco (USA) gearbeitet hat, bevor er im Juni 2013 Chef des Zeiss-Großplanetariums wurde.

Horn ist für den kompletten Umbau verantwortlich,  er hat sich für eine Stück-für-Stück-Eröffnung entschieden. Nächste Woche beginnt das Programm im Kuppelsaal, im Herbst eröffnet der renovierte Kinosaal mit  160 Plätzen. Dort sehen Schüler tagsüber 3D-Filme, ergänzend zum Lehrplan, abends werden alte Science-Fiction- und DEFA-Filme gezeigt. Das neue Bistro im Foyer bietet ab Herbst Gerichte von Sterne (!)-Koch Tim Raue an, im neuen Shop gibt es Bücher und Filme.

Planetariums-Chef Horn hat mit seinen 30 Mitarbeitern in den vergangenen Monaten ein komplett neues Programm zusammengestellt. Sein Haus kooperiert mit Sternwarten in anderen Ländern, technisch sind alle miteinander verbunden. In den Vorführungen geht es um Wissenschaft und Unterhaltung, um Meteoriten, das Leben auf der Erde, Evolution, Erdbeben und Korallenriffe. Und immer sollen die neuesten Forschungsergebnisse eine Rolle spielen. „Wir sind durch unser irdisches Treiben so entrückt vom Kosmos. Ihm können wir uns im Planetarium wieder emotional und rational nähern“, sagt er. Der Mensch soll sich bewusst werden, welchen Platz er im Kosmos einnimmt. „Wir haben die Zukunft unserer Erde in der Hand“, sagt Horn, der seine spürbare Begeisterung für die Astronomie und die Naturwissenschaften gern an seine Besucher weitergeben will.

Das Programm:

www.planetarium.berlin