Berlin - In der Gastronomie nennt man sie die Jungen Wilden, jene Köche, die mit ungewöhnlichen Ideen und ausgefallenen Rezepten für Aufsehen sorgen. Die Astronomie hat für ihren wilden Nachwuchs noch keinen Namen gefunden, doch Tim Florian Horn wäre so ein Kandidat.

Der 34-jährige Astronom und Multimedia-Produzent ist Direktor des umgebauten Berliner Zeiss-Großplanetariums. Unter seiner Leitung wurde im Laufe von zwei Jahren aus dem fast 30 Jahren alten DDR-Repräsentationsbau, in den zuletzt immer weniger Besucher kamen, das modernste Wissenschaftstheater Europas. An diesem Donnerstag eröffnet das Haus wieder.

Den über 13 Millionen Euro teuren Umbau und die inhaltliche Neuausrichtung des Planetariums hat der junge Direktor zu verantworten. Es war seine Feuertaufe in der Berliner Wissenschaftslandschaft. Im Sommer 2013 wurde Horn Direktor des Hauses, mit 31 Jahren war der gebürtige Kieler Europas jüngster Planetariumsdirektor. Er war mit seiner Frau und den beiden Kindern von San Francisco nach Berlin gezogen, in eine Wohnung in Prenzlauer Berg, unweit des Planetariums.

Horn hat schon mit zwölf Jahren seine Zeit im Kieler Planetarium verbracht, nach dem Studium arbeitete er auch in Kiel und Hamburg, verkaufte anfangs Eintrittskarten, konzipierte und moderierte später Shows. Er beriet die Chefs von Planetarien in den Niederlanden und in Kolumbien. Danach arbeitete er drei Jahre am weltweit modernsten Morrison-Planetarium in San Francisco.

Von eben diesem kalifornischen Planetarium hat sich Horn inspirieren lassen. Im Kuppelsaal mit neuester Bild- und Tontechnik sind jetzt auch in Berlin hochauflösenden 360-Grad-Videos zu sehen, Dokus, Kinder- und Musikfilme. Mehr Publikum, mehr junge Leute, ein Programm mit Filmen über Sterne, Planetenkollisionen, Erdbeben und Korallenriffe – was in San Francisco jährlich 750 000 Besucher anlockt, findet Horn, sollte doch auch in Berlin möglich sein.