Die Mitarbeiter der Zentralen Landesbibliothek (ZLB) sind auf Schatzsuche im eigenen Haus: In diesem Jahr richten sie in der Amerika-Gedenkbibliothek einen Raum ein, der sich in jedem Monat einem anderen aktuellen, auch kontroversen Thema widmet. Dafür tragen sie alles zusammen, was in den diversen Bereichen ihres Bestandes und ZLB-Katalogs zu finden ist: Belletristik, Sachbücher und Comics, Spielfilme und Dokumentarfilme, Musik. All das steht dann im Erdgeschoss der Bibliothek zur Ansicht oder kurzen Ausleihe bereit. Das Februar-Thema ist Israel, aus Anlass der Wahl am 22. Januar. Die folgenden Themen reichen über die Buchmesse, die EU, das Plagiat und Kunstfreiheit über Märchen bis zu Nobelpreisen im Dezember.

Bei der Vorbereitung des Schwerpunkts Israel seien die Beteiligten selbst überrascht gewesen, wie vielfältig das Angebot in ihrem Bestand sei, wie komplex sie das Land in all seinen Facetten vorstellen könnten, sagt die verantwortliche ZLB-Mitarbeiterin Sarah Dudek. „Wir entdecken unsere Schätze noch mal selbst.“ Israel werde sonst immer nur im Kontext mit dem Nahostkonflikt gesehen, sagt sie, alles andere verschwinde dahinter: Kultur, Architektur, Filmschaffen und Musikszene, die sozialen Fragen wie auch das politische System des Landes.

Digitale Wegweiser

Für die Präsentation der Schätze ist die ZLB Partnerschaften eingegangen, mit der Bundeszentrale für politische Bildung und auch mit der Berliner Zeitung. Landkarten hängen an der Wand des kleinen Raumes, auf Bildschirmen sind Videos mit Berichten aus Israel zu sehen. Der Nahostkonflikt wird nicht ausgespart, palästinensische Autoren oder kritische Israelis sind mit ihren Büchern genauso vertreten wie die umstrittene britische Dokumentation „The 50 years of war“. Zum Angebot gehören auch Bildbände über Tel Avivs Bauhaus-Architektur, Belletristik bekannter und fast unbekannter Autoren, CDs mit Jazz, Klassik, Pop und Rock israelischer Musiker sowie DVDs mit Spielfilmen wie Waltz with Bashir oder Filmen wie den über die Nöte eines jüdischen Einwanderers, eine Frau zu finden.

Jeden Monat, zu allen Themen legt die ZLB eine Auswahlbibliografie zum Mitnehmen vor. Und sie offeriert digitale Angebote wie eine interaktive App mit Link-Liste zu relevanten Blogs und Websites, die auf ausliegenden iPads gelesen werden können. Die ZLB ist der bestbesuchte Kulturverein der Stadt, sagt ZLB-Mitarbeiterin Anna Jacobi. „Aber Bibliotheken müssen auch stärker neue Wege gehen.“ Angesichts der Bücherflut und des digitalen Angebots wachse bei den Nutzern das Bedürfnis nach Orientierung. Es werde immer schwerer, einen Weg durch das Angebot zu finden. Mit dem digitalen Angebot versuche man, einen solchen Wegweiser zu entwickeln, die digitalen Angebote zusammenzuführen und über die Bestände zu informieren.

Zum Themenraum-Konzept mit Büchern und Filmen und den neuen Medien gehören aber auch Diskussionsveranstaltungen, wie am heutigen Montag das Gespräch mit Johannes Gerster, der lange für die Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel gearbeitet hatte.

Das Projekt findet Anklang, so zeigen die ausliegenden und von den Nutzern ausgefüllten Fragebogen. Und es hat sogar schon praktische Folgen: eine ZLB-Mitarbeiterin hat, inspiriert von den Büchern über die Bauhaus-Architektur, einen Flug nach Tel Aviv gebucht.

Veranstaltungshinweis: Israel nach der Wahl. Almut Möller im Gespräch mit Johannes Gerster. Montag, 18. Februar 2013, ab 19.00 Uhr in der Bundeszentrale für politische Bildung Friedrichstr. 50 / Checkpoint Charlie, 10117 Berlin, 4.Stock.