Potsdam - Dass Wildschweine inzwischen in einigen Regionen zu einer Plage geworden sind, wissen längst nicht nur die Bewohner des Berliner Stadtrandes. Doch in Brandenburg ist die Masse dieser Tiere inzwischen durchaus zu einem Sicherheitsproblem geworden.

Denn Wildschweine durchwühlen nun mal den Boden auf der Suche nach Wurzeln, Würmern, Schnecken und Mäusen. Sie machen dies auch an Deichanlagen. Dort schützt eine Grasschicht den Sandwall zusätzlich. Doch wenn die Grasschicht auch nur an kleinen Stellen aufgewühlt ist, kann dort bei einer Flut schnell Wasser eindringen und den Damm unterhöhlen. Da dadurch potenziell auch Menschenleben in Gefahr sind, zahlt die Landesregierung nun eine Art „Kopfgeld“ für Wildschweine.

„Die Wildschweinpopulation ist im gesamten Land sehr hoch“, sagt Jens-Uwe Schade vom Umweltministerium. „Aber vor allem in Ostbrandenburg haben wir teils erhebliche Schäden an Deichen.“

Denn dort gibt es viele Schutzwälle entlang der Oder, die nach der Oderflut 1997 für Milliardenkosten saniert wurden und die eigentlich eine Generation lang halten sollen. Zudem ist im Osten das Oderbruch, ein trockengelegtes Sumpfgebiet, das tiefer liegt als die Oder und von Deichen geschützt wird.

20 Euro pro zusätzliches Schwein

Um dort das Wildschweinproblem einzudämmen, hat das Ministerium nun mit dem Landrat des Kreises Oder-Spree eine Vereinbarung über eine „Erlegungsprämie“ unterzeichnet. Pro zusätzlich erlegtem Tier bekommt der Jäger 20 Euro.

Zusätzlich bedeutet das, dass die sogenannte Jagdstrecke der vergangenen Saison genommen wird und geschaut wird, wie viele Wildschweine vor Ort geschossen wurden. Sind es im nun bald beginnenden Jagdjahr mehr, gibt es die Prämien. „Das Ganze ist ein Modellprojekt und auf zwei Jahre begrenzt“, sagt Schade. Solche Verträge sind mit allen Kreisen im Osten geplant.

„Diese Prämie ist eher symbolisch“, sagt Tino Erstling, Sprecher des Brandenburger Jagdverbandes. „Wir begrüßen dies aber ausdrücklich, denn es ist ein Zeichen dafür, dass sich die Politik um die Forcierung der Jagd zur Begrenzung der Schwarzwildpopulation kümmert.“

Die Population soll dort auch deshalb begrenzt werden, weil in Osteuropa immer wieder die afrikanische Schweinepest auftritt und verhindert werden soll, dass sie auch nach Brandenburg kommt und möglicherweise auch auf Hausschweine übertragen wird.

Dass es immer mehr Wildschweine gibt, liegt zum einen daran, dass diese Tiere nur wenige ernstzunehmende Feinde haben wie den Wolf und den Mensch. Außerdem gilt Brandenburg geradezu als Paradies für diese Tiere. Denn auf einem Drittel des Landes stehen Wälder, in denen sich die Tiere gut vor den Jägern verstecken können, ein weiteres Drittel ist Ackerfläche.

Und die Großagrarbetriebe legen immer mehr riesige Felder mit Mais an – auch für Biogasanlagen. „Maisfelder bieten den Tieren ideale Deckung und auch noch reichlich Fressen“, sagt Jan Engel vom Landeskompetenzzentrum Forst.

Als weiterer Grund für den Anstieg der Population wird der Klimawandel gesehen. „Mit steigenden Temperaturen sind die Winter recht mild“, sagt Engel. Früher starben viele Frischlinge im Winter, inzwischen kaum noch. Manches Weibchen bringt nun sogar zwei Mal im Jahr zwölf Frischlinge zur Welt. Und die Tiere finden auch im Winter viel Futter, denn durch steigende Temperaturen tragen Eichen und Buchen viel mehr Früchte als früher.

Noch mehr Probleme durch Biber

„Die Jäger schießen zwar immer mehr Wildschweine, aber die Tendenz geht seit Jahrzehnten nach oben“, sagt Engel. Niemand wisse, wie viele Wildschweine in Brandenburg leben. „Wir wissen als Vergleichszahl nur, wie viele jede Saison geschossen werden.“ Im Jagdjahr 2015 wurde 70857 tote Wildschweine landesweit gezählt. Vor knapp 20 Jahren waren es etwas mehr als halb so viele.

Für Probleme an den Deichen sorgen auch andere Tiere. „Die Schäden durch Biber sind noch größer“, sagt Ministeriumssprecher Schade. Doch Biber sind nun mal streng geschützt und dürfen nicht geschossen, bestenfalls „entnommen“ und anderswo angesiedelt werden. Das Land hat extra ein Bibermanagment eingerichtet. Die Mitarbeiter sollen in Problemfällen helfen. Es geht auch darum, die Deiche mit Metallgittern vor Bibern zu schützen. „Aber das ist richtig teuer“, sagt Schade.