Berlin - Die plötzlich schneefreie Rodelpiste in der Parkaue in Lichtenberg hat ein Nachspiel. Der Bezirk will handeln: „Wir werden Anzeige gegen Unbekannt erstatten“, sagte am Montag der zuständige Lichtenberger Bezirksstadtrat für Öffentliche Ordnung und Umwelt, Martin Schaefer, der Berliner Zeitung. Vermutet wird ein Umweltvergehen. 

Nach wie vor zieht sich die Rodelpiste in der Parkaue in Lichtenberg wie ein dunkler Scheitel durch den sonst verschneiten Park. Vergangene Woche war von der beliebten Rodelbahn plötzlich über Nacht der Schnee verschwunden. Schlittenfahren war nur noch auf den schmalen Rändern des Abhangs möglich. Übrig blieb nur Matsch. Auch die Wiese wurde wohl zerstört – sie muss wahrscheinlich erneuert werden.

Nach wie vor ist unklar, wieso der Schnee plötzlich von der Piste verschwand. Gemutmaßt wird seit Tagen – in den sozialen Netzwerken überschlagen sich die User mit Vermutungen.

Hat jemand salzhaltige Lauge über die Piste gekippt? Oder andere chemische Substanzen? Manche spekulieren, es sei schlicht das Tauwetter schuld. Doch das kann kaum der Grund gewesen sein. Es hatte vergangene Woche noch minus zehn Grad in Berlin. Nach wie vor wird gemutmaßt, dass es ein Anschlag auf die beliebte Piste gewesen sein könnte – auch um Ruhe vor den Kindern zu haben, die dort seit Tagen Schlitten fahren.

Bezirksstadtrat Schaefer geht davon aus, dass jemand Salz auf die Piste gestreut habe – „und zwar im großen Stil“. Etwa 400 Quadratmeter sind betroffen. Der CDU-Politiker, der selbst mit seinen drei Kindern dort gerne zum Rodeln geht, sagt: „Ich hoffe, dass der Boden keine langfristigen Schäden davonträgt.“

Wenn der Schnee rundherum in den nächsten Tagen abtaue, so lauten jedenfalls die Wetterprognosen, werde das Umwelt- und Naturschutzamt Proben entnehmen und diese analysieren, kündigt Schaefer an. Sollte der Boden stark betroffen sein, kämen auf das Bezirksamt Kosten im fünfstelligen Bereich zu. „Wir gehen momentan aber nicht vom schlimmsten aus“, so Schaefer. Trotzdem habe dort jemand grob fahrlässig gehandelt – sollte er Salz oder anderes auf die Piste gekippt haben, damit der Schnee abtaut.

Der Lichtenberger Bezirksstadtrat hatte bereits vergangene Woche den Verdacht zurückgewiesen, dass das Bezirksamt etwas damit zu tun haben könnte. Dieses war nämlich ebenso unter Verdacht geraten. „Grundsätzlich würden wir auf Wiesen in Parks kein Salz oder ähnliches einsetzen“, sagt er und fügt hinzu: „Das wäre kontraproduktiv, weil wir damit die Grasnarbe zerstören würden.“

NABU: Der Fall muss aufgeklärt werden

Schaefer vermutet, dass ein Anwohner dahinter steckt, der sich gestört fühlte, oder jemand, der sich geärgert habe, dass dort am Rodelhang so viele Leute in Corona-Zeiten so eng zusammenkamen. „Vielleicht hat da jemand das Recht in die eigene Hand genommen“, mutmaßt er. 

Auch die Naturschutzorganisation NABU hat sich inzwischen eingeschaltet. Artenschutzreferent Ansgar Poloczek sagte zur Berliner Zeitung: „Der Fall muss aufgeklärt werden.“ Die NABU will sich jetzt ebenso ein Bild machen und sich an die zuständigen Stellen wenden. Sprich: das Bezirksamt.

Poloczek weiter: „Wenn Streusalz eingesetzt worden ist, kann der ökologische Schaden immens sein.“ Streusalz sei für den privaten Gebrauch verboten. „Man darf es überall kaufen, aber privat nicht nutzen.“ Das Gras wachse normalerweise schnell nach, aber es komme darauf an, wie geschädigt nun der Boden sei.