Berlin - Am Freitag schaltet die Berliner Senatsschulverwaltung von 10 bis 13 Uhr wieder ihre "Sorgentelefone" und verkündet das über alle Medien. Denn es ist Zeugnistag. Mensch, die kümmern sich, ist der erste Eindruck. Doch wer nun denkt, ein Heer von Schulpsychologen werde im größten Veranstaltungssaal der Senatsschulverwaltung am Alex zusammen kommen, um verzweifelte Schüleranrufe entgegenzunehmen, der täuscht sich. Dabei kann das Halbjahreszeugnis für Sechstklässler bei der anstehenden Oberschulwahl entscheidend sein.

In Wahrheit hat die neue Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) nur wieder sechs Verwaltungsbeamte angewiesen, Telefondienst zu schieben. Deshalb dürfen diese Fachkräfte drei Stunden lang ihre Büros im vierten Stock nicht verlassen. Tatsächlich aber ruft kaum ein Schüler das "Sorgentelefon" an. Versetzungsangst? Notendruck beim Übergang in die Oberschule? "Die Zahl der Anrufe ist minimal", sagt etwa Christina Rösch (Sorgentelefon 90 227 6356), die sich um die Gymnasien kümmert. Die sechs Mitarbeiter des "Sorgentelefons" machen an diesem Freitag ihre normale Büroarbeit. Eberhard Rau (Sorgentelefon 90 227 6098) weiß jetzt schon, dass bei ihm die allerwenigsten Anrufe eingehen werden. "Ich bin für die beruflichen Schulen zuständig, da habe ich es mit erwachsenen Schülern zu tun, die mit schlechten Noten umgehen gelernt haben." Auch Thomas Müller-Krull (Sorgentelefon 90 227 5832) wird den Gang in die Kantine bis weit nach 13 Uhr hinausschieben. Denn nach dem Ende des "Sorgentelefons" müssen die Mitarbeiter etwaige Anrufe schriftlich auswerten. "Wahrscheinlich gehe ich mir vorher schon mal ein Brötchen holen", sagt der 62-jährige Müller-Krull.

Manchmal klingelt das "Sorgentelefon" tatsächlich. Oft sind dann aber aufgebrachte oder wissbegierige Eltern dran. "Letztes Jahr ging es um die neuen Aufnahmekriterien an begehrten Oberschulen", erinnert sich Sabine Geschwandtner (Sorgentelefon 90 227 5946), die für die Sekundarschulen zuständig ist. Manchmal rufen auch Schüler an, die ihre Betroffenheit am Telefon nur spielen. Dann kichern meist andere Jugendliche im Hintergrund. Alle Mitarbeiter haben schon "Sorgentelefon"-Routine, bis auf Corinna Berndt (Sorgentelefon 90 227 5329). Sie ist das erste Mal für Grundschulen zuständig. Ihre Chefin am Freitag einen wichtigeren Termin. Dazu kommt noch Elke Schomaker (Sorgentelefon 90 227 6028), für Gemeinschaftsschulen zuständig.