Berlin-Tiergarten - Sie betreiben einen kleinen Familienzirkus. Sie wollen im März wieder auf Tournee gehen. Derzeit hält sich der Zirkus S. mit Auftritten in Kitas und Seniorenheimen über Wasser und wird vom Jobcenter unterstützt. „Wir leben von sehr wenig“, sagt Ramon S. Die Auftritte werden immer seltener, die Einnahmen immer geringer.

Die sieben Kinder von Ramon S., dem Betreiber des Zirkus’, und seiner Ehefrau Kornelia S. sind schon erwachsen, sie sind Artisten geworden und beim Zirkus geblieben. Das Familienunternehmen gibt es in der siebenten Generation, erzählt Kornelia S. mit einem gewissen Stolz.

Vorwurf: Verstoß gegen Tierschutzgesetz

Seit Mittwoch stehen Ramon und Kornelia S. als Angeklagte vor dem Amtsgericht Tiergarten. Der Vorwurf: Der 66-Jährige und seine 58-jährige Frau, die beide Artist als Beruf angeben, sollen gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben. Sie hätten den von ihnen gehaltenen Tieren nicht ausreichend Pflege und Auslauf gegeben, so die Anklage.

Es geht um neun Zirkustiere: Ein Alpaka, ein Esel, zwei Ponys, ein Lama, zwei Kamele – ein Hengst und ein Fohlen. Im Jahr 2015 gastierte der Zirkus in Spandau. Vom 10. bis zum 18. Juni sollen die Angeklagten das Freigehege und den Freilauf für die Kamele trotz mehrfacher Aufforderung durch das Veterinäramt nicht aufgebaut haben. Dadurch hätten die Kamele acht Tage keinen Auslauf gehabt.

Zudem hätten die Angeklagten bei mehreren Tieren die Huf- oder Krallenpflege derart vernachlässigt, dass es zu Fehlstellungen im Bewegungsapparat gekommen und das Laufen für die Tiere schmerzhaft geworden sei.

Peta hat Originalunterlagen des Veterinäramts

Der Anwalt von Ramon S. hält die Vorwürfe für nicht haltbar. Man habe am 8. Juni 2015 damit begonnen, den Zirkus nach Spandau zu verlagern, erklärt er. Tags darauf seien die Tiere und die Wagen eingetroffen. Gerade als man das Freilaufgehege habe aufbauen wollen, sei das Veterinäramt Spandau aufgetaucht. Hufe und Krallen seien gepflegt, Fehlstellungen im Bewegungsapparat bisher von keinem Amtstierarzt festgestellt worden – bis auf den Tiermediziner aus Spandau. Und dann, so der Anwalt, stelle er sich die Frage, wie die Tierschutzorganisation Peta an Originalunterlagen aus dem Veterinäramt gelangt sei.

Peta hatte das Spandauer Veterinäramt in den vergangenen Jahren mehrfach für dessen Tierschutz-Maßnahmen gelobt, es 2012 sogar zum besten Veterinäramt Deutschlands gekürt. Damals hatte sich die Behörde gegen den Verkauf von lebenden Hummern stark gemacht und einem anderen Zirkus wegen schlecht gepflegter Tiere die Gastspielgenehmigung vorenthalten.

Prozess muss fortgesetzt werden

Der Prozess, der eigentlich nur einen Tag dauern sollte, muss fortgesetzt werden. Der Anwalt von Ramon S. hält die Gutachterin in dem Verfahren für befangen. Die Tierärztin soll nach seinen Worten für Animal Care arbeiten, eine Tierschutzorganisation, die sich für ein Wildtierverbot in Zirkussen einsetzt.