Karsten Schulzes Lob kommt aus vollem Herzen. In der Türkei gebe es Busbahnhöfe, „da können wir in Berlin uns nur bescheiden einbuddeln“, sagte der Chef von Berlinlinienbus und Haru-Reisen am Donnerstag. Es sind große, bedarfsgerechte Anlagen, mit modernen Einrichtungen. „An dieses Thema muss Berlin endlich ’ran“, fordert er. Doch die angekündigte Umgestaltung des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) am Messedamm gehe erst 2016 in die Vollen. Damit nicht genug: Von einem zweiten Berliner Busbahnhof sei keine Rede mehr. „Dabei braucht Berlin dringend einen zweiten ZOB, im Osten der Stadt, am besten am Ostbahnhof“, so der Busunternehmer.

„Unsere Branche entwickelt sich extrem dynamisch“, sagte Schulzes Mitstreiter Jörg Schaube, ebenfalls Geschäftsführer bei Berlinlinienbus und dazu Chef von Bayern Express. 2012, im Jahr vor der Liberalisierung, gab es 2,9 Millionen Fernbusfahrgäste in Deutschland. 2014 werden es um die 16 Millionen und im kommenden Jahr 20 Millionen sein.

Berlin ist von großer Bedeutung. Während die Zahl der Fernzugfahrgäste laut Bahn auf dem niedrigen Stand nach der Elbeflut 2013 verharrt, wird es am ZOB immer voller. Schaube: „Von den deutschen Fernbuslinien mit den meisten Fahrgästen führt der Großteil nach Berlin.“ Die am stärksten genutzte Route verbindet Berlin mit Hamburg – 44 Fahrten pro Tag und Richtung. Auch Geschäftsleute fahren mit.

ZOB im Westen erst 2018 fertig

Der Bedarf werde weiter steigen. „Doch die Infrastruktur in Berlin wächst nicht“, stellte Schulze fest. In den Zentralen Omnibusbahnhof, der 1966 in Charlottenburg eröffnet worden ist, sei nur wenig investiert worden. Der Senat hat zwar angekündigt, die Anlage zu ertüchtigen. Doch wie berichtet wurde auch bei diesem Bauprojekt der Zeitplan verändert – es geht später los. „Das ist ärgerlich“, so Schulze. Anders als angekündigt wird es im nächsten Jahr allenfalls um die Bauvorbereitung gehen. „Die Hauptarbeiten sollen 2016 starten“, hatte der Senat im Oktober mitgeteilt. Sie sollen dazu führen, dass künftig mehr Halteplätze gleichzeitig nutzbar sind.

Während der dreijährigen Bauzeit bis Ende 2018 müssten die Nutzer aber erst mal Einschränkungen verkraften, so Schulze. So würden von den rund drei Dutzend Halteplätzen zeitweise nur 22 zur Verfügung stehen. Dabei sei die Anlage jetzt schon so gut ausgelastet, dass die Betreibergesellschaft der Berliner Verkehrsbetriebe morgens und abends Entgeltaufschläge kassiert.

Der ZOB müsse attraktiver und aufnahmefähiger werden, bekräftigte Schulze. Sonst würden Busbetreiber noch mehr dezentrale Halteplätze einrichten. Schon jetzt gibt es Stopps am Südkreuz und am Alexanderplatz, bald hält der Postbus auch am Bahnhof Zoo. Am Flughafen BER sind in Ebene 0 am Terminal Halteplätze vorgesehen – allerdings schlecht beleuchtet und nicht barrierefrei erreichbar, so Schulze.

Um den Busverkehr wieder stärker zu konzentrieren, hatte der Senat prüfen lassen, wo bis 2017 ein zweiter ZOB entstehen sollte. Ein Ergebnis lautete: am Ostbahnhof in Friedrichshain. „Das wäre für die vielen Fahrgäste aus den Ostbezirken ein sehr guter Standort, mit S-Bahn und BVG leicht erreichbar“, sagte Schulze. Platz gäbe es: Schräg gegenüber vom Bahnhof stünden 10.000 Quadratmeter zur Verfügung. Doch konkrete Pläne seien nicht in Sicht. Die Busbetreiber lassen nicht locker. Karsten Schulze: „Irgendwann setzen wir uns durch.“