Berlin-Friedrichshain - Regisseur Tom Tykwer ist ratlos: „Ich weiß nicht, woran es liegt.“ Seit Jahren gehen die Planungen für das „Eckwerk“ an der Holzmarktstraße nicht voran, in dem in fünf Holz-Hochhäusern Studenten wohnen, sich junge Firmen und Künstler mit ihren Ateliers niederlassen sollen. Drei externe Berater sollen nun innerhalb von 90 Tagen weiterhelfen.

Tykwer („Babylon Berlin“) ist im Vorstand der Holzmarkt-Genossenschaft, hat im Kreativ-Dorf neben dem Eckwerk-Areal ein Büro. Wie berichtet, klagt die Holzmarkt-Genossenschaft als Teilhaber der Eckwerk Entwicklungsgesellschaft gegen das Land Berlin auf 19 Millionen Euro Schadenersatz. Der Vorwurf: Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) blockiere seit Amtsantritt 2016 die Aufstellung des Bebauungsplans.

Schmidt sagt, die Baupläne seien nicht genehmigungsfähig. Die Genossen sind in Not: Man habe Planungskosten gehabt, müsse Darlehen zurückzahlen und habe bis 2017 über 1,5 Millionen Euro Erbbauzinsen an die Schweizer Stiftung Abendrot als Grundstückseigentümer gezahlt. Die hatte das Erbbaurecht für das Eckwerk dann zurückgezogen, weil sich seit dem Kauf des Grundstücks 2012 nichts mehr tat.

„90-Tage-Räte“

Um die Situation zu retten, soll nach dem Vorbild konfliktlösender „90-Tage-Räte“ im australischen Adelaide ein Trio mit allen Beteiligten reden. Für den Rat gewannen die Genossen Ex-Justizsenator Wolfgang Wieland (Grüne), die verwaltungserfahrene Architektin Barbara Hoidn und den Hamburger Club-Gründer und Projektentwickler John Schierhorn.

Der britische Stadtforscher Charles Landry forderte, dass Berlin eine „kreative Bürokratie“ brauche, die nicht „nein, weil, sondern ja, wenn“ sagt. Berlin brauche Projekte des gemeinsamen Wohnens, Arbeitens und Zusammenlebens. Stadtrat Schmidt erklärte, er halte die Einsetzung des Rats angesichts der Klage für „nicht geboten“. Die Genossen seien auf dem Holzweg, wenn sie glaubten, mit politischem Druck ihre Interessen durchsetzen zu können.