Spezialkräfte der Zentralen Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ) waren bei der Razzia im Einsatz.
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BerlinDie Tat sorgte gleichermaßen für Verwunderung wie für Gelächter: Am letzten Januar-Wochenende waren Kriminelle ins Berliner Hauptzollamt eingebrochen. Aus der schlecht gesicherten Asservatenkammer an der Gehrenseestraße klauten sie 8,6 Tonnen unversteuerten Shisha-Tabak, der bei Razzien beschlagnahmt worden war, sowie 5,2 Millionen beschlagnahmte Zigaretten.

Jetzt hat sich der Staat seine Beute zurückgeholt und die mutmaßlichen Einbrecher gefasst. Mehr als 300 Beamte der Zollfahndungsämter Berlin-Brandenburg, München, Hannover, Frankfurt/Main sowie der Hauptzollämter München und Berlin vollstreckten am Dienstag bundesweit 27 Durchsuchungsbeschlüsse und acht Haftbefehle gegen Mitglieder einer Bande. An dem Einsatz waren auch Spezialkräfte des Zolls und der Polizei beteiligt.

Den Beschuldigten im Alter zwischen 22 und 53 Jahren aus Moldawien, Rumänien und Weißrussland  werden schwerer Bandendiebstahl und gewerbsmäßige Steuerhehlerei vorgeworfen. Die Männer sind nach Erkenntnissen der Zollfahnder tief in die Organisierte Kriminalität verwickelt und wegen zahlreicher Delikte vorbestraft, darunter wegen schwerer Körperverletzung, versuchtem Mord, Raub und Waffenbesitz. 

Verdeckter Ermittler täuscht Geschäft vor

Eine Sonderkommission des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg  war auf die Tatverdächtigen durch Erkenntnisse des Zollfahndungsamtes München und der Staatsanwaltschaft Landshut gekommen. Sie hatten in einer anderen Sache wegen Hehlerei ermittelt. Bei den Ermittlungen erfuhren sie, dass auf dem Schwarzmarkt 8,5 Tonnen Wasserpfeifentabak angeboten wurden.

Die Zollfahnder setzten daraufhin einen Beamten des Berliner Landeskriminalamtes als Verdeckten Ermittler auf die Anbieter an. Am 1. April kauften sie zum Schein den Tabak auf. Bei der Übergabe griffen dann Spezialkräfte der Zentralen Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ) zu und stellten die Ware sicher. Die ZUZ hat ihren Sitz in Köln und ist das Äquivalent zu den Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Länderpolizeien.

Von einer Festnahme der Verkäufer sahen die Zollfahnder zunächst ab, weil sie die Hintermänner fassen wollten. Am Dienstag fand dann die Razzia statt, bei der die Haftbefehle vollstreckt wurden. Die acht Tatverdächtigen sitzen jetzt in Berlin, Bayern, Niedersachsen und Hessen in Untersuchungshaft. Am Mittwoch wurden ihnen durch Richter die Haftbefehle verlesen. Die 5,2 Millionen gestohlenen Zigaretten bleiben jedoch verschwunden.

Crystal Meth für 250.000 Euro beschlagnahmt

Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten neben zahlreichen Handys und Datenträgern auch drei Kilogramm reinstes Crystal Meth sicher, das einen Straßenverkaufswert von mindestens 250.000 Euro hat. Sie beschlagnahmten auch 100.000 Euro Bargeld, zwei Autos und ein Motorrad.

Die bei deutschen Banken vorhandenen Konten der Beschuldigten wurden eingefroren. Zurzeit vollstreckt die Berliner Staatsanwaltschaft entsprechende Arrestbeschlüsse von insgesamt 980.000 Euro.

Bei dem Einbruch im Januar im Hauptzollamt nahmen die Täter sogar die hydraulischen Hubwagen mit, mit denen sie die Paletten mit der Rauchware in ein Fahrzeug transportierten. „Für den Einbruch brauchte es schon eine Menge Dreistigkeit und kriminelle Energie“, sagte ein Sprecher des Zollfahndungsamtes am Mittwoch. Das Hauptzollamt hat nach dem Einbruch bei der Sicherung seines Geländes aufgerüstet.