Zoo Berlin: Der Panda-Pakt ist beschlossen

Berlin - Sechsmal setzt Zoo-Direktor Andreas Knieriem am Freitagmorgen seinen Namen unter das mehrseitige Vertragswerk, dann reicht er dem chinesischen Botschafter in Berlin, Shi Mingde, die Hand. „Es ist endlich soweit!“, sagt der Botschafter. Hinter ihm stehen drei kleine Pandas aus Plüsch auf einem Schränkchen, ein Bildschirm zeigt eine Simulation der neuen Panda-Anlage im Zoo.

Nun ist erstmals vertraglich geregelt, dass die chinesische Regierung dem Berliner Zoo in etwa zwei Monaten ein junges Panda-Paar überlassen wird. Nicht für immer, nur als Leihgabe zu Aufzuchtzwecken, vorerst für 15 Jahre. Doch es geht um mehr als Artenschutz für die vom Aussterben bedrohten Tiere. Der Botschafter sagt, diese Leihgabe sei eine „Geste der Freundschaft zwischen Deutschland und China.“ In dem asiatischen Land steht der Panda unter staatlichem Schutz. In China leben aktuell nur noch 1 864 Tiere in freier Wildbahn, weitere 464 Tiere in menschlicher Obhut, in China und im Ausland. Bisher kooperiert China in Sachen Pandaforschung und Leihgaben mit 19 Zoos in 14 Ländern.

Nun gehört auch Berlin dazu, dank intensiver diplomatischer Kontakte auf höchster politischer Ebene. Vor zwei Jahren sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Staatsbesuch in China mit dem Ministerpräsidenten Li Keqiang über diese Angelegenheit, mehrmals besuchte Knieriem daraufhin chinesische Panda-Aufzuchtstationen und traf in Peking die entscheidenden Funktionäre der Regierung. Seit Oktober 2016 baut der Zoo für die exotischen Tiere, die meistens nur träge sitzen und Unmengen von Bambus fressen, eine 5500 Quadratmeter große, moderne und naturnahe Anlage mit Besucherpavillon. Knapp zehn Millionen Euro kostet das Gehege. Eine chinesische Delegation begleitet die Bauarbeiten.

Fast 14 Millionen Euro Leihgebühr

Erstmals gibt der Zoo mit der Vertragsunterzeichnung auch die finanziellen Vereinbarungen des Vertrages bekannt. Jedes Jahr zahlt der Zoo für beide Tiere einen Betrag von 920 000 Euro an die chinesische Panda-Artenschutzbehörde. Bei einer geplanten Leihgabe für die Dauer von 15 Jahren sind das fast 14 Millionen Euro, die der Zoo dank Rücklagen, Spenden und Sponsoren selbst finanzieren wird. 70 Prozent des jährlichen Betrages ist für den Artenschutz der Pandas vorgesehen, 20 Prozent der Summe bekommt eine Aufzuchtstation in Chengdu, zehn Prozent sind als „Verwaltungskosten auf chinesischer Seite“ vorgesehen.

Zum Unterzeichnen des Vertrages am Freitag reiste auch gleich eine Delegation aus China an, dazu gehört auch die Direktorin der China Wildlife Conservation Association, Si Ping. „Es ist für uns eine große Ehre, mit dem Berliner Zoo zusammenzuarbeiten“, sagt sie. Berlin habe einen „Weltklassezoo“, mit dem China die Forschung vorantreiben werde. „Denn der Zoo hat Erfahrung mit der Aufzucht von Pandas“, sagt Si Ping und verweist damit auf Pandas in Berlin wie Bao Bao, Tjen Tjen und Yan Yan. Si Ping, sagte, China habe volles Vertrauen in die Aufzucht der Tiere, die nun bald nach Berlin kommen werden.

Dem Vertragswerk vom Freitag folgen bald weitere Festlegungen. So wird Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wohl im Mai ein Memorandum mit hochrangigen Vertretern der chinesischen Forstbehörde unterzeichnen.

Dann will Zoo-Direktor Knieriem genaueres über die ausgewählten Tiere sagen, die im Juni in Berlin eintreffen werden. Bisher steht fest, dass die Tiere aus interschiedlichen Aufzucht-Einrichtungen kommen, sich also nicht kennen. Er sei sicher, dass die chinesischen Panda-Spezialisten ein gutes Pärchen aussuchen werden.

Nach einer Phase der Eingewöhnung, die zwei chinesische Panda-Pfleger begleiten werden, könnten die Tiere Anfang Juli feierlich an den Zoo übergeben werden. Weil Anfang Juli auch die führenden Staatschefs zum G 20-Gipfel in Hamburg zusammenkommen, rechnet der Zoo damit, das womöglich auch die Staatschefs von Deutschland und China die Panda-Anlage im Zoo einweihen werden. „Nach jetzigem Stand wird die Bundeskanzlerin mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jingping im Rahmen des G-20-Gipfels zusammentreffen“, sagte ein Regierungssprecher der Berliner Zeitung im Januar. Es gibt auch Pläne der Bundesregierung, wonach dieses Treffen am Rande des Gipfels im Berliner Zoo stattfinden könnte. Eine gemeinsame Übergabe sei aber noch nicht entschieden.

40 Kilo Bambus am Tag

Schon jetzt hat der Zoo alles vorbereitet, damit es den Tieren aus China in der Berliner Panda-Anlage gutgehen wird. Anfangs werden die Tiere mehrere Sorten Bambus zu Fressen bekommen, die ein Lieferant aus Frankreich und Holland liefern wird. Bis zu 40 Kilogramm Bambus kann ein Tier im Laufe eines Tages fressen. In der neuen Anlage können sie zusammen und getrennt leben. Pandas sind Einzelgänger, und sie haben nur sehr gering ausgebildeten Sexualtrieb. Durch einen Verbindungsgang können die Tiere zueinander finden.

In der neuen Anlage wird es neben einer Bambuslandschaft auch eine Krankenstation und Rückzugsräume für die Tiere geben, genügend Platz zum Lagern des Futters sowie einen Brut- und einen Aufzuchtraum.

Denn natürlich hofft der Zoo, dass das Panda-Paar Nachwuchs bekommt. So kooperiert der Zoo mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, das sich seit 15 Jahren mit der Fortpflanzung von Pandas beschäftigt und internationale Zuchtprogramme unterstützt. „Ich hoffe, die beiden Pandas sind nicht zu wählerisch“, sagt Knieriem. „Die Gene müssen sich mögen.“