Eigentlich gehört es sich nicht, das Alter von Frauen zu verraten. Passiert dies doch, erntet man vor allem als Mann böse Blicke. Bei Fatou ist das anders. Bei ihr muss man sogar die Anzahl der Jahre nennen. Schließlich kann die freundliche Grande Dame aus dem Berliner Zoo so richtig stolz auf ihr Alter sein. 60 Jahre werden es an diesem Donnerstag. Damit ist Fatou zusammen mit der gleichaltrigen Trudy aus dem Little Rock Zoo im US-Bundesstaat Arkansas der älteste Gorilla der Welt.

Das wird gefeiert. Die Tierpfleger werden dem Liebling der Berliner Zoo-Besucher heute um 10 Uhr ein wahres Festmahl reichen, das aus Ananas, Bananen und Weintrauben besteht. Vermutlich wird es für die Jubilarin auch eine Torte aus gekochtem Reis geben, deren Mitte die Zahl 60 zieren wird. „Diese Süßigkeiten liebt Fatou“, sagt Ruben Gralki, der stellvertretender Revierleiter bei den Menschenaffen im Zoo ist. „Normalerweise fressen Gorillas fast nur Grünzeug.“

Partner Knorke war schon früh an ihrer Seite

Während sich Fatou über die Leckereien hermacht, werden bei der Geburtstagsfeier die Zoo-Mitarbeiter mit Sicherheit auch wieder die recht abenteuerliche Geschichte erzählen, wie das Menschenaffen-Weibchen vor 58 Jahren nach Berlin kam. Diese Geschichte geht so: Es war einmal ein betrunkener französischer Matrose, der in einer Hafenkneipe in Marseille seine üppige Rechnung nicht bezahlen konnte.

Um sich ehrlich zu machen, überreichte der Seemann der verdutzten Wirtin ein Gorilla-Baby, das er von seiner Tour aus West-Afrika mitgebracht hatte. Doch was sollte die arme Frau nur mit dem Affenkind machen? Sie informierte den Berliner Zoo. Der zeigte Interesse und ließ die Wirtin samt Gorilla nach Berlin einfliegen.

Man weiß jetzt sogar gesichert, wer damals bei der Ankunft mit dabei war: Gorilla-Junge Knorke, der spätere Lebensgefährte von Fatou. Die Erkenntnis stammt aus dem Geschäftstagebuch von 1959, das vor kurzem im Zoo-Archiv gefunden wurde. Darin notierte der damalige Affen-Pfleger Horst Wiebach am 11. Mai 1959: „Heute mit Knorke auf dem Flugplatz Tempelhof gewesen, wo wir das kleine Gorillamädchen Fatou abholten.“

Sensationelles Alter

Die „Strahlende“ heißt Fatou (Kurzform von Fatima) übersetzt. Mit ihren sanften Augen konnte sie als Gorilla-Mädchen ihren Artgenossen Knorke im Zoo nach allen Regeln der Verführungskunst für sich gewinnen. Ein unzertrennliches Paar waren sie, 1974 kam ihre gemeinsame Tochter Dufte zur Welt, die leider in jungen Jahren starb. Fatou überlebte auch ihren Partner. 2003 starb Knorke mit 40 Jahren an Altersschwäche.

„Dass Gorillas wie Fatou in Zoo-Haltung überhaupt 60 Jahre alt werden, ist schon eine Sensation“, sagt Vize-Revierleiter Gralki. „In der freien Wildbahn werden Menschenaffen eher 45 Jahre alt.“ Sicher, die gute Pflege im Zoo trug mit dazu bei, dass Fatou nun ihren Sechzigsten feiern kann. Doch Gralki glaubt, dass der Gorilla auch sehr gute Gene hat, die so ein langes Leben ermöglichen. „Umgerechnet auf ein menschliches Alter wäre Fatou sogar eine Hundertjährige“, sagt der Tierpfleger.

Allerdings merkt man der Gorilla-Dame das hohe Alter schon an. „Etwas Arthrose plagt sie“, berichtet Gralki. „Das Laufen und Klettern fällt ihr daher schwer, sie bewegt sich etwas behäbiger als ihre Artgenossen.“ Auch hat Fatou kaum noch Zähne. Daher kann sie ihr Futter auch nicht mehr roh fressen. Mohrrüben, Sellerie oder Kohlrabi bekommt Fatou nun gekocht vorgesetzt. „Aber sonst geht es ihr gut, für ihr Alter ist sie fit“, bilanziert Gralki den Gesundheitszustand der greisen Jubilarin. In einem Extra-Gehege sitzt Fatou oft in Holzwolle eingemummelt, betrachtet in aller Ruhe den Lauf der Dinge und was so die jüngeren Gorillas in der Nachbaranlage treiben. Wünschen wir Fatou alles Gute für die weiteren Lebensjahre.