Berlin - Der sanfte, leicht nach oben gezogene Schwung des Daches soll an einen alten chinesischen Tempel erinnern. Scheinbar schwerelos ruht es auf dünnen grünen Stangen, die man für Bambus halten könnte. Durch zwei große Öffnungen im Dach wächst echter, dichter Bambus in den Himmel. Wer den Kopf hebt, sieht an der Decke rund um die beiden Löchern breite Ringe. „Sie sollen die Augenringe der Pandas symbolisieren“, sagt Kieran Stanley. Er hat sich diese Zitate, wie er die feinen Bau-Details für das Panda-Gehege im Berliner Zoo nennt, ausgedacht. Er ist der Architekt. Jedes einzelne Element werde der Besucher vielleicht gar nicht bemerken, sagt er. „Aber er spürt, dass alles stimmig ist, zueinander passt.“

Und das funktioniert so gut, dass das Berliner Gehege bereits zum zweiten Mal bei dem Publikumspreis Panda Giant Global Awards ausgezeichnet wurde. Dieses Jahr gab es die Silbermedaille, im Jahr davor war es Bronze. „Wir arbeiten uns vor“, sagt Stanley. Vielleicht wird es nächstes Jahr Gold.

In nur 14 Monaten hat der gebürtige Ire, aufgewachsen ist er in Cork, den Panda-Garten gebaut. Unmittelbar nachdem die Entscheidung gefallen war, dass der Berliner Zoo wieder zwei Pandas aus China bekommen wird, habe Zoodirektor Andreas Knieriem bei ihm angerufen, erzählt er. „Schaffst du das“, sei er gefragt worden. Stanley ist stolz darauf, dass es funktioniert hat. Zur Eröffnung kamen Kanzlerin Merkel und der chinesische Staatschef Xi. Hat man ja auch nicht so oft.

Kieran Stanley gestaltete schon mehrere Zoos

Knieriem und Stanley kennen sich aus Hannover. Ende der 90er-Jahre war Knieriem dort Veterinär des Zoos und Stanley daran beteiligt, den Hannoveraner Zoo neu zu erfinden. Es war das erste Zoo-Projekt von Stanley. Nach Hannover verschlug es ihn nach seinem Architekturstudium am Trinity College in Dublin. Über einen Freund habe er die Stelle bekommen. Den kannte er vom gemeinsamen Musikmachen, Stanley spielt Gitarre, die Bodhrán, irische Trommel und Mundharmonika. „Ire halt“, sagt er und lächelt.

Damals in Hannover habe er erkannt, dass Zoos – oder wie er es nennt: Erlebnisarchitektur– seine Sache sind. „Es ist die Verbindung von allem: Landschaftsgärtnerei, Architektur, Design, Pädagogik, Biologie, Menschen“, sagt er. Die Liste seiner Projekte ist beeindruckend: der Chester Zoo südlich von Liverpool, die Panda-World in Süd-Korea, die Giraffensavanne in München.

Panda-Garten im Zoo Berlin: Besucher wird auf eine Reise mitgenommen

1999 gründete er mit seiner Frau und zwei Freunden die dan pearlman Group in Berlin, Markenagentur und Architekturbüro zugleich. Stanley konzentriert sich, um zu dem einen Satz zu kommen, der erklären soll, was sich machen: „Wir machen Marken zu einem Erlebnis und Erlebnisse zu einer Marke.“ Wie etwa den Berliner Zoo. „Die Menschen kommen wegen des Erlebnisses hierher.“ Das stehe auch im Panda-Garten im Vordergrund. „Wir präsentieren keine Tiere, wir führen die Besucher durch ein ganzheitliches Erlebnis und nehmen sie mit auf eine Reise“, sagt er. Die Menschen besuchen die Panda quasi zu Hause. Optisch sind Gehege und Besucherzone eins, überall die gleichen Materialien, getrennt nur durch eine Glasscheibe. Die Außenfläche ist leicht angehoben. Mensch und Panda begegnen sich auf Augenhöhe. Leise chinesische Musik ertönt aus den Lautsprechern. Das alles soll die Menschen entführen. Stanley sagt: „Für einen Moment sind wir nicht mehr in Berlin.“ Und wenn die Besucher dann auch noch was lernen über Pandas, ist es gut, aber das sei nicht das erste Ziel.

Kieran Stanley geht auch privat gerne in Zoos, gerne in Begleitung seiner drei Töchter, zehn, elf und 15 Jahre alt. Natürlich waren sie auch schon im Panda-Garten. Was ihnen besonders gut gefallen hat? „Die Nähe zu den Tieren.“ Das nächste Projekt im Berliner Zoo von Kieran Stanley ist das Gehege der Panzernashörner. Und sein Lieblingstier? „Giraffen“, sagt er. „Die sind so grazil.“

Zoo Berlin täglich 9 bis 18 Uhr, Erwachsene 15,50 Euro (mit Aquarium 21 Euro), Kinder bis 15 Jahre 8 Euro (10,50 Euro), Familienkarten 26 Euro (35 Euro) oder 41 Euro (51 Euro)