Tierpark-Direktor Andreas Knieriem.
Foto: BLZ/Engelsmann

BerlinDie Geburt der Panda-Zwillinge im Zoologischen Garten und die erfolgreiche Aufzucht der kleinen Eisbärin Hertha im Tierpark Friedrichsfelde: Für den Direktor der beiden Berliner Tiergärten, Andreas Knieriem, war 2019 ein „bärenstarkes Jahr“, wie er im Gespräch mit der Berliner Zeitung sagt. 

Nun stehen für ihn und seine Mitarbeiterinnern und Mitarbeiter große Bauvorhaben im Zoo und im Tierpark an. Dazu gehört vor allem die Beendigung der umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten am Alfred-Brehm-Haus im neuen Jahr. Die Neueröffnung des Gebäudes im Frühjahr soll einer der Höhepunkte 2020 im Tierpark sein, der im Sommer 65 Jahre alt wird.

Knieriem führt über die Baustelle des 56 Jahre alten Gebäudes, das seit 2018 denkmalgerecht umgebaut wird. Mit den Kosten von 8,2 Millionen Euro und mit der Bauzeit sei man im Plan. „Noch vor Ostern soll es wieder eröffnet werden“, sagt der 54-Jährige. „Die Besucher werden ein Alfred-Brehm-Haus erleben, das sich dann als faszinierende Regenwald-Landschaft präsentiert, aber dessen baulicher Charakter wiedererkennbar bleibt. Denn das Gebäude ist weltweit einmalig in seiner Art. Und wir wollen dieses historische Erbe weiter zeigen.“

Neues Zuhause für Malaienbären

Die künftige Dschungelwelt ist schon vor dem Haus zu sehen. So wurden bereits an den Zugängen Bambus-Alleen gepflanzt. Sie verdecken einen Teil der engen Außengehege des Gebäudes, die künftig nicht mehr für Raubkatzen genutzt werden sollen. Fertig ist   zudem eine für Besucherinnen und Besucher begehbare Außenanlage, in der erstmals Baumkängurus gezeigt werden sollen.

Auch im Innern des Hauses zeigt Knieriem Veränderungen. Etwa in den beiden Felsenhallen, wo die Wassergräben mit Beton und Erdreich aufgefüllt wurden, auf denen nun Kletterbäume und tropische Pflanzen stehen. Davor sind hohe Glaswände. So können Besucherinnen und Besucher noch dichter an die dort lebenden Tiere herankommen. Die eine Halle beziehen Sumatra-Tiger. In der anderen werden die Malaienbären Tina und Johannes auf über 1000 Quadratmetern Fläche herumtollen. Bisher mussten sie sich mit in einer recht kleine Anlage am Schloss Friedrichsfelde begnügen.

Für den Zoologen Knieriem hatte das Alfred-Brehm-Haus schon lange als Raubtierparadies ausgedient. Mit 54 Tieren lebten dort vor dem Umbau zu viele auf engstem Raum. Nun werden es nur etwa acht Raubkatzenarten wie Tiger und Java-Leoparden sein, die in den neuen Gehegen mehr Platz haben. Dazu kommen etliche Reptilien. Und mehrere Vogelarten und Krokodile, die in der Tropenhalle präsentiert werden, die sich mit 800 Pflanzen schon als echte Dschungelwelt zeigt.

Die Eisbärdame Hertha im Tierpark Berlin.
Foto: Gerd Engelsmann

„Die Sanierung und der teilweise Umbau des Hauses waren aus unserer Sicht dringend notwendig“, sagt Knieriem. „Allein aus Gründen einer artgerechteren Tierhaltung haben wir uns dazu entschlossen. Wir hätten für das Haus sonst auch keine Betriebsgenehmigung bekommen. Als das Gebäude entstand, galten noch andere Richtlinien.“ Die Genehmigung erteilt das Bezirksamt Lichtenberg. Mit dessen Behörden stimmte sich der Tierpark auch bei Sanierung und Umbau des Gebäudes ab. Zeitgleich mit dem Alfred-Brehm-Haus sollen der nahe gelegene Geierfelsen und die Pinguinanlage neu eröffnet werden.

„Als nächstes Bauprojekt werden wir in diesem Jahr mit dem großzügigen Umbau des Dickhäuterhauses loslegen“, sagt Knieriem. Es sei mit seinen veralteten technischen Anlagen in einem schlechten Zustand. „Zwei Jahre Bauzeit sind ungefähr geplant, etwa 28,5 Millionen Euro wird der Umbau kosten.“ Aktuell sind im Gebäude   zehn Elefanten. Sie werden vor dem Umbau in andere Tiergärten gebracht. „Wohin die Elefanten kommen werden, wird derzeit in enger Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm geplant“, sagt Knieriem.

In der Tradition von Dathe

Ein weiteres Vorhaben ist geplant: die Himalaya-Gebirgslandschaft. Auch dieser  Bau soll in diesem Jahr beginnen. Allerdings wird es keine Seilbahn geben, wie es vor Jahren geplant war. „Unser Ziel ist es, den Tierpark noch wunderbarer zu machen“, sagt Knieriem. „Ich sehe mich da in der Verantwortung, die Tradition seines Gründers Heinrich Dathe fortzuführen.“

Auch im Berliner Zoo geht es voran. „Voraussichtlich 2020 können wir dort nach aufwendiger Sanierung und Umbau auch das Raubtierhaus wieder eröffnen.“ Auch in diesem Gebäude werden mit Löwen, Sibirischen Tigern, Persischen Leoparden und Jaguare weniger Tiere zu sehen sein. Dafür haben sie alle im Raubtierhaus künftig deutlich mehr Platz. „Als nächstes steht dann der Bau des neuen Nashornhauses an, das rund 20 Millionen Euro kosten und voraussichtlich 2022 fertig sein wird“, verspricht Knieriem.